#5 Konservativer Rock’n Roll – hää? Wasn das?

Ihr Lieben, erst mal freue ich mich, dass ihr auf meiner Seite und bei meinem Blog gelandet seid.

Nun, es gibt schon einige Rückfragen, was ich mit dem Begriff „Konservativer Rock’n Roll“ denn meinen würde. Schließt sich das nicht gegenseitig aus bzw. ist das nicht ein Widerspruch in sich? Klare Antwort: Nö!

Was ich damit meine, ist im Groben Folgendes:

Sei kreativ, sei mutig, hab neue Ideen und setze sie um. Sei rebellisch und roh.

Verliere deine Phantasie und deine Leidenschaft nicht und baue nicht zu viele Ängste auf.  Wie das funktioniert? Wichtig ist ein Plan B, eine Rückversicherung oder eine Idee, wie du im Spiel bleibst.

Beispiel:

Du bist jemand, der jeden Tag im Büro sitzt und vor sich hin träumt. Der Job langweilt, die Kollegen nerven und du möchtest schon seit gefühlten 10 Jahren dein eigenes Ding machen. Du hast jede Menge Ideen, setzt sie aber nie wirklich um. Jetzt passiert das, was vielen passiert. Was auch mir teilweise passiert ist.

Du hast Angst vor dem nächsten Schritt, aber weißt gleichzeitig, er wäre unglaublich wichtig. Für dich und dein zukünftiges Glück. Dann bist du umgeben von Leuten, die dir sagen, du sollst es lassen und auf keinen Fall deinen Job sausen lassen (sonst geht die Welt unter und es gibt nie mehr Abendessen auf der Welt), dass du doch zufrieden sein kannst, dass du einen Job hast, dass jeder mal unzufrieden wäre und das normal wäre..etc. etc.

Gleichzeitig triffst du auf Leute, die dir sagen werden, dass du diesen Schritt unbedingt gehen und alles auf eine Karte setzen musst. Du kaufst dir Bücher, in denen Leute „Tschakka“ rufen und Erfolgsgeschichten erzählen, von Ford, Aldi, oder Netto, oder..Hans Meiser…und in denen die Frage gestellt wird, ob du denn wirklich hundertprozentig „committed“ seist, deiner Passion folgen würdest usw.

Du setzt also mit zitterndem Händchen alles auf eine Karte, kündigst den Job, nimmst deine paar Kröten vom Konto und eröffnest das langersehnte eigene Café. Soweit, so cool.

Nun geht’s aber los. Die Pacht läuft, der Strom muss gezahlt werden, das Finanzamt steht vor der Tür und du merkst, dass du verdammt viele Espressi verkaufen musst, um die Knete zu verdienen, die du brauchst um entspannt zu leben. Der selbstgemachte Kuchen wird langsam zu aufwendig und dir fehlt die Zeit, weil dich das Personal sitzenlässt („Sorry, war gestern bechern und hab ganz schlimme Migräne“) und plötzlich wird es schon eng für dich. Auf einmal stehst du 50 Stunden pro Woche im Café und wünschst dir mal einen schönen, langen Angestellten-Feierabend auf der Couch.

Ich weiß, klingt wie ein Horror Szenario in Watzlawicks Hirn, ist aber leider sehr oft Realität.

Konservativer Rock’n Roll wäre gewesen, das Ziel, in diesem Fall ein Café zu eröffnen, langfristig zu planen und auf eine gesunde Grundlage zu stellen. Kein (oder sagen wir, kaum ein) Chef beißt einem sofort den Kopf ab, wenn man danach fragt, ob man z.B. auch ein paar Stunden reduzieren kann.

Die gewonnene Zeit könnte man z.B. in die Entwicklung eines Webshops für gute Kaffeesorten stecken und den Shop nach und nach ausbauen. Mehr als nein sagen kann der Chef nicht. Wenn dein Shop erste Kunden hat, kannst du immer noch überlegen, den nächsten Step zu gehen. Jetzt kommt vermutlich das Argument, der Chef würde das niemals erlauben und wäre stocksauer – sicher? Und selbst wenn?

Ich rate dir ganz eindeutig (auch weil ich erstere Erfahrung in anderer Form selbst schon gemacht habe), mehrere Eisen im Feuer zu haben, um einen Ausgleich zu schaffen.  Zuviel Rock’n Roll macht aus dir langsam aber sicher eine sabbernde Zombiegestalt, bist du dagegen immer nur konservativ, wirst du irgendwann stocksteif und bekommst einen Bandscheibenvorfall – auch wieder nix. Die Mitte ist das Zauberwort.

Alles was du im richtigen Maß für dich betreibst, bringt dich auch weiter.

Oder anders gesagt: mit Spaß angeln zu gehen, ist eben etwas Anderes, als den ganzen Tag auf dem Fischkutter zu arbeiten.

So, nun werde ich einen relativ konservativen Espresso trinken (ziemlich schwach, das Ding) und meinen Tagesritualen folgen (erstmal unspektakulär: Der Hund muss raus). Dann geht’s ans Tagesgeschäft: Booking.

Ich danke dir bis hierhin für’s Lesen und Folgen. Bis zum nächsten Blog 😉

Ich freue mich auf dich!

Cheers, Chris Strobler

Chris Strobler

Chris Strobler ist ein Musiker, Comedian und Booking-Agent aus dem fränkischen Bamberg.

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