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#10 Nur Wenn du an DICH denkst und achtsam bist, kannst du geben, vorher nicht

oder: Der richtige Treibstoff macht’s!

Habt ihr schon mal versucht, mit einem 500er Fiat aus den 50ern den Grand Prix von Monza zu gewinnen? Gut, für mich wäre das offenbar eh unmöglich, denn ich müsste mit einem aufgeschnittenen Dach fahren, um reinzupassen (oder die Füße müssen nach unten raus, wie bei Familie Feuerstein).

Aber egal, ich will jetzt gar kein Fass zum Thema „Größe“ aufmachen oder den Fiat in ein blödes Licht rücken, denn wie man sieht, ist der Kleine ja recht alt geworden und hat scheinbar auch im Schneckentempo einige Kilometer zurückgelegt. 

Ich hab ihn jedenfalls dafür bewundert und irgendwie kam mir beim Anblick dieses Gefährts ein schöner und beruhigender Gedanke:

Man kommt auch langsam ans Ziel, wichtig ist vielleicht eher, dass der Ölstand immer passt, genug Benzin im Tank ist und die Gelenke geschmiert sind. Ohne Energie rollt auch der schönste Reifen nicht. 

Ganz nebenbei: ein fetter Luxusschlitten fährt auch nicht ohne Energie! Ohne Sprit im Tank wird’s einfach eng. Mit Popel laufen die Dinger nicht und Backsteine passen nicht durch den Einfüllstutzen. Es muss also auch noch die richtige Energie rein und im Idealfall kommt mehr Energie rein, als raus geht. 

So, ab jetzt wird es auch für alle Nicht-Auto-Freaks interessant. 😉

Seit ich blogge komme ich mit sehr vielen interessanten Menschen in Kontakt und es werden natürlich auch Fragen an mich gestellt. Die Frage, die am meisten gestellt wurde, lautet:

Woher bekommst du die Energie, um auf Tour zu gehen, eine positive Grundhaltung an den Tag zu legen und uns auch noch mit deinen Weisheiten voll zu sülzen? Wie gehst du da vor, Chris?

Nun ja, erstmal muss ich sagen, dass ich natürlich auch üble Momente habe und dabei aussehe wie ein aufgeplatztes Kissen. Solche Tage gibt’s natürlich immer noch oft, wenn die Krankheit ihre übelste Fratze zeigt. Allerdings sind diese Tage sehr viel weniger geworden – warum? Der Trick liegt darin, mit den eigenen Kräften zu haushalten und vor allem immer wieder AUFZUTANKEN!

Früher war ich der schlechteste Tankwart der Welt!

Nach dem Motto „das Karma wird’s schon richten“ habe ich alles rausgehauen und mich gewundert: Hat das Karma eventuell Urlaub oder gerade schlechtes Netz? Haben wir einfach Kommunikationsschwierigkeiten oder will es mich verarschen? Ich geb‘ doch trotzdem so viel, obwohl ich Schmerzen habe…dabei habe ich einfach nicht gerafft, dass ich selbst dafür verantwortlich bin, auch zu nehmen. 

Wenn ich hier also konkret etwas empfehlen kann, dann Folgendes:

Seid achtsam mit euch, tut euch Gutes und seht immer wieder zu, dass mehr Energie reinkommt, als rausgeht. 

Gute und positive Energie kann nie genug reinkommen. Es ist wirklich so!

Das beginnt schon morgens mit dem ersten Gedanken, der einen in den Tag holt. Achtet sehr genau darauf, wie der Tag beginnt! Macht euch schöne Gedanken, döst morgens noch und denkt an den letzten Urlaub, an den Strand, an Herzen und an Liebe. Eben an alles, was euch in den Sinn kommt und euch positiv stimmt. Wenn man die Sinne morgens in den ersten Sekunden schon mit blödem Käse füllt, wird es echt schwierig. Macht euch einen leckeren Kaffee, lest etwas Lustiges, beschäftigt euch kurz mit ein paar Dingen, die euch gefallen und guttun. 

Führt eine kurze Meditation durch oder schaut in den Spiegel und lacht euch selbst an. (Wichtig: Nicht auslachen, sondern anlachen 😊)

Ich denke morgens z.B. oft an Kuchen (weiß der Geier warum, ich mach mir gar nichts aus Kuchen), aber irgendwie bringt einen der Gedanke an einen saftigen und geil riechenden Kuchen doch gut drauf, oder? Gegenprobe: denkt mal an alten, harten und stinkigen Kuchen – was passiert dann? Richtig, es wird einem schlecht. 😉

Aber genug mit den Beispielen, da hat jeder seine eigenen Dinge.

Wir müssen nur definitiv SELBST dafür sorgen, dass all diese Kraftgeber unseren Geist mit Zündstoff versorgen. 

NUR WENN DU AN DICH DENKST UND ACHTSAM BIST, KANNST DU GEBEN, VORHER NICHT.

Mit einem leeren Tank kann man nicht fahren und kann der Welt kaum was geben. 

Deswegen werde ich auch immer wieder ehrlich sagen, wenn ich gerade nichts geben kann, denn eins ist klar: Die Energie fließt immer schneller raus, als sie reinkommt. Und gerade bei Menschen mit chronischem Handicap, kann man davon ausgehen, dass der Tankvorgang sicher doppelt so lange dauert, der Speicher kleiner ist und gefühlt alles im dreifachen TGV-Tempo wieder den Körper verlässt. Da diese Rechnung nicht aufgehen kann, sage ich es nochmal:

Achtsamkeit, für positive Energie sorgen und euch mit guten Gedanken zu versorgen ist euer Hauptjob, auch wenn es oft schwer fällt – investiert in diesen Moment und lasst euch nicht davon abbringen. 

Und wenn es mal extrem schwer ist, morgens aufzustehen und der Weg zum Bad der Umrundung des Erdballs gleicht, stelle ich mir vor, dass ich der kleine Fiat bin. Schon ein bisschen älter, einige Dinge leicht defekt und nicht der schnellste. Wenn ich aber gut geschmiert bleibe, guten Treibstoff einfülle und mir die italienische Sonne auf den Rücken scheint, fahre ich noch viele Runden und werde es mit Vergnügen tun. 

SCHAFFE DIR SELBST DAS SCHÖNE! 

Das ist mein Schlüssel, um den elenden Beschwerden beizukommen. 

Habt euch lieb

Chris 

#9 Wie soll man etwas verstecken, das sich nicht verstecken lässt?

Der Mut zum offenen Visier,  ist ein logischer und lohnender Schritt!

Ihr Lieben,

wenn ich an die Anfangsjahre meiner Erkrankung zurückdenke, sitze ich hier und muss tatsächlich über mich selbst lachen. Es klingt absurd, aber ich muss wirklich sehr lachen, da ich komischerweise in der Rückblende gar nicht mehr glauben kann, was ich alles veranstaltet habe, um so zu tun, als wäre alles in Butter.  Um es mal subtil zu sagen: Es war die reinste Freakshow – unfassbar, wieviele Meilen ich mir da selbst auf die Lebensuhr gehauen habe, um „normal“ zu wirken.

Ich entschuldige diese Show im Geiste immer damit, dass ich zum dem Zeitpunkt ja dachte, dass alles wieder verschwindet, was im Grunde völliger Käse mit Soße ist. In der Realität wird einem eigentlich sehr schnell selbst klar, dass tägliche, starke Schmerzen, die Jahre andauern, nicht unbedingt normal sind und jeder Mitmensch, der 3% mehr Empathie als eine Anhängerkupplung hatte, auch wusste, dass es mir nicht gut gehen konnte. 

Aber ich habe brav den voll funktionierenden Chris gegeben, obwohl ich teilweise rumlief wie ein Zombie aus Walking Dead, mit tief liegenden Augen und aschfahlem Gesicht. Teilweise dachte ich, dass ich für meine Mitmenschen wirken muss, als würden Sie mich durch ein Fischaugenobjektiv sehen, wie dieser eine Typ bei Hot Shots (wer den Film nicht kennt, ist selbst schuld!).

Die erste Frage ist: Warum macht man das?

Die zweite Frage lautet: Wie schafft man das?  

Nun ja, es gibt ja jede Menge Menschen, die ein ziemliches Paket mit sich rumschleppen. Beim einen sind es schlimme Sorgen, der Nächste hat seelische Probleme, andere chronische Krankheiten (wie in meinem Fall) – die Liste ist endlos.

Was mich aber lange beschäftigt hat: Man kann scheinbar so fertig sein, dass man im Grunde nur noch durchsichtig rumläuft und die Anforderung morgens aufzustehen, dem Iron Man Marathon gleicht. Trotzdem scheint aber irgendeine Zelle übrig zu sein, die nochmal Speicher frei gibt. Ein innerer Sonderspeicher, der dich zum größten Schauspieler aller Zeiten werden lässt und dich zur Höchstleistung pusht.

Wäre es ein Film, könnte der Titel lauten: Ein Mann, stark wie ein Baum. Untertitel: Man nannte ihn Bonsai!

Mir fallen zahlreiche Momente ein, in denen ich den phantastischen Schauspieler gegeben habe und im Hintergrund hätte eigentlich nur noch Freddie Mercury singen müssen: Oh yes, i’m the great pretender….

Leider blieb die Oscar-Nominierung aus und die goldene Himbeere kam auch nicht. Einfach nix. 

Warum man es so macht? 

Meine Theorie ist folgende:

Wir scheinen ein System zu haben, dass alles im Gleichgewicht halten will, das die Situation unbedingt so behalten will, wie sie ist und erstmal vieles ignoriert und noch ausgleicht. Zum einen wollen wir leistungsfähig bleiben, denn der nächste Kollege lauert schon an der Ecke und übernimmt sabbernd und voller Vorfreude die Aufgabe, die du nicht mehr auf die Reihe bekommst.  Zum anderen haben wir bis zu diesem Punkt schon sehr viel investiert, in welcher Form auch immer.  In eine Ehe, in ein Haus, in den Job, in Klamotten, in Hundefutter – weiß der Geier, in was alles. 

Wir haben gegeben und die Investition soll sich gefälligst lohnen und zurückkommen. Deswegen wird alles versucht, den Schein aufrecht zu erhalten. 

Dann kommt noch ein andere Faktor hinzu: Gerede! 

Man will einfach nicht, dass irgendjemand sagt: „Oh man, so ein Weichei, der soll halt mal ein Schnitzel essen, dann geht’s ihm wieder besser. Mir tut auch mal was weh, heul ich deswegen rum? Nein!“

Also geht THE WALL hoch – schützt zum einen, nagt aber an dir, wie der Hund am Knochen.

Wie schafft der Körper das?

Keinen Plan, aber ich stelle es mir so vor:

Wenn wir technische Geräte wären, würde der Akku längst „low“ anzeigen und vielleicht der Virenscanner laufen. Das Gerät hat folgenden Vorteil: Wenn die Energie aufgebracht ist, geht das Teil aus, bleibt stehen oder stellt einfach die Funktion ein. Ende und over…

Beim Menschen ist das nicht so, denn wir haben etwas, das sich Substanz nennt. Wir können aus der Substanz ziehen und noch weiter funktionieren. Wie krass! Wir können daraus richtig viel leisten und z.B. große Schauspieler werden…manchmal brauchen wir die Substanz und es ist absolut gut, sie zu haben. Wenn wir allerdings zu lange daraus ziehen, schädigen wir uns nachhaltig, wie eine alte Vinyl-Platte. 

Wir machen Kratzer und Kerben in unsere Systeme, die manchmal nicht mehr so einfach zu reparieren sind.

Seit mir diese Sache bewusst wurde, was ich da eigentlich tue, fiel es mir plötzlich nicht mehr so schwer, deutlich zu werden und mehr auf mich zu achten – denn ich will keine weiteren Kerben in meiner inneren Schallplatte und meine Substanz behalten.

Im Gegenteil, nach den ersten Momenten machte sich eine Stärke breit, denn es gibt drei Vorteile an der Sache:

  • Du verlierst keine Energie mehr, weil du nicht mehr als „Tom Cruise Light unterwegs“ bist.
  • Du bekommst einen Schub an Selbstvertrauen, da du dich klar ausdrückst und damit Diskussionen erstickst (Kleiner Tipp:  Verwende das Wort „Generell“ hin und wieder – es ist sehr kräftig und lässt kaum Fragen offen ;))
  • Deine Mitmenschen bekommen klare Information von dir und können sie einordnen.

Den letzten Punkt finde ich richtig gut, denn wie soll jemand auf dich reagieren, wenn du offensichtlich nicht okay bist und du ihm sagst: Passt schon, geht schon, wird schon? Ich glaube, dass erzeugt viel Unsicherheit!

Es ist also absolut sinnvoll, diesen Weg zu stoppen und nicht weiter zu verstecken, was man nicht verstecken kann. 

Ich weiß, es hört sich leichter an als es ist, aber probiere es einfach aus.

Fazit:

SICH DURCHZUSETZEN UND KLAR AUSZUDRÜCKEN, BRINGT DIR SELBSTVERTRAUEN, EIN GUTES GEFÜHL UND ES KOSTET DICH PRAKTISCH NICHTS – NUR EIN BISSCHEN MUT! DAFÜR VERLIERST DU ABER EIN PAAR PROZENT LAST.

Habt euch lieb!

Chris Strobler

#8 Erkenntnisse 2018 – Selbstbestimmt entscheiden!

Ihr Lieben,

es ging ein Jahr zu Ende, das neue Erkenntnisse brachte. Ich hab mich geärgert, habe gelernt, habe mich gewundert, gemosert und am Schluss doch wieder gelacht. Man lernt nie aus und grundsätzlich war 2018 ein Jahr in dem viel passiert ist, ich aber viele neue Wege gefunden habe, mit meinen Beschwerden umzugehen, auch wenn das manchmal nicht einfach war.

Fakt ist eins: Wer mit Fibromyalgie oder chronischen Schmerzen lebt, muss nunmal genau hinsehen und gut aufpassen, denn ein „einfach drauf los“ ist in den seltensten Fällen gut und auch nicht besonders ratsam, außer man will sich noch mehr fühlen, wie vom LKW in Zwillingsbereifung überrollt.

Der bisher schönste Weg, den ich bisher für mich gefunden habe, war meinen Gedankenansatz umzustellen.

In den ersten Jahren war ich im Grunde nur damit beschäftigt, mich darüber aufzuregen, was ich nicht mehr machen kann, warum mich die Beschwerden, Schmerzen und Attacken so ausbremsen und wie am besten dagegen anzukämpfen wäre.

Diese Reaktion mag natürlich sein, ist aber letztendlich kein besonders guter Weg. Eher ein Anleitung zum noch unglücklicher sein. In einem meiner Lieblingsfilme „Bäng Boom Bäng“ würde man sagen: Kreislauf, verstehst du?

Nun kannst du aber als Mensch auch nicht einfach sagen: Jetzt ist es so – Deal with it und weiter geht’s.

Wenn es so einfach wäre, könnte man ja auch einfach aufhören, Kopfschmerzen zu haben (wenn jemand weiß wie das geht, bitte melden ;-)).

Die entscheidende Erleichterung kam in dem Augenblick, in dem ich dachte:

ES iST NICHT WICHTIG, WAS ICH ALLES NICHT MEHR KANN, SONDERN WAS ICH TROTZDEM ALLES KANN! VOR ALLEM KANN ICH DAS SELBST ENTSCHEIDEN UND MUSS NICHT IRGENDEINER VORGABE FOLGEN. BUMMS!

Diese Sichtweise hat mir wirklich entscheidend geholfen: sich über die eigenen Vorzüge und Möglichkeiten zu freuen und nicht über Dinge zu verkrampfen, die nicht so gut funzen. Sich nicht nur an gesellschaftlichen Vorgaben zu orientieren, sondern selbst Entscheidungen zu treffen und hinter diesen zu stehen.

Es mag nicht wirklich neu sein, aber es ist wahr und funktioniert wirklich. Mir ist natürlich klar, dass das leicht dahin gesagt ist und die Frage aufkommt, wie man das Ganze im Alltag umsetzen soll?

Mein Tipp lautet:

Nehmt euch kleine Dinge vor. Einzelne Momente. Ganz kleine Sachen. Dreht den Spieß einfach um.

Konzentriert euer Denken auf das, was ihr könnt, was euch gut tut, auf EURE Entscheidungen.

Die meisten Menschen die unter chronischen Beschwerden leiden, kennen vielleicht folgendes Szenario:

Du wirst zu einer Party eingeladen, alle deine Freunde sind da und du willst natürlich dein soziales Umfeld bedienen und dabei sein. Du weisst aber, dass es dir nicht besonders gut geht, du vielleicht starke Medikamente in Form von Schmerzmitteln, Psychopharmaka oder sonst was nimmst und du ganz sicher kein Partylöwe, sondern eher ein miauendes Kätzchen sein wirst. Alle Freunde und Party-Animals geben dir gute Ratschläge mit und fragen, wann du denn endlich wieder fit bist und mal wieder ordentlich einen drauf machst und wie immer weißt du nicht, was du darauf antworten sollst. Das ist der Moment, in dem du dich sehr wahrscheinlich ärgerst und die Reaktionen schon leichtes Agressions-Potential in dir aufkommen lassen. Dir ist bewusst, dass es alle gut meinen, aber deine Situation nicht wirklich nachvollziehen können. Da du nicht einfach losschreien kannst, ein Faustschlag eventuell übertrieben wäre und du nicht unfreundlich sein willst, sagst du wahrscheinlich sowas wie: ja, geht schon…wird schon. Nächstes mal bin ich wieder am Start und dann geht die Lutzi ab, wie früher. Schmeiß die Möbel aus dem Fenster, wir brauchen Platz zum däääncen.

So ging es zumindest mir sehr oft.

Nun könnte dir zum Beispiel Folgendes helfen:

Werde dir bewusst, dass es nicht die Schuld der anderen Leute ist. Sie können nichts für deine Beschwerden und es ist unglaublich schwer, sowas nachzufühlen, wenn man nicht selbst betroffen ist. Du kannst dich an dieser Stelle ärgern, oder versuchen, ihre Sichtweise zu ändern, aber das wird erstmal dauern und an dem Abend ist es sicher so gut wie unmöglich.

Du kannst aber deine Sichtweise ändern, selbstbestimmt bleiben und entscheiden, was DU willst, weil du am besten weißt, was du alles kannst und was für dich in Ordnung geht.

Das fängt schon damit an, dass du frei von schlechtem Gewissen entscheiden kannst, ob du diese Einladung überhaupt annimmst. Wenn du hin gehst, kannst du entscheiden, wie du den Abend verbringst. Sollten dich diverse Ratschläge und Meinungen nerven oder du willst ihnen aus den Weg gehen, kannst du z.B. sagen: Ich probiere gerade aus, wie weit ich gehen kann und was mir gut tut. Wie geht es Dir denn eigentlich? Zack, ist der Ball auch schon woanders.

Auch mit der Frage, warum du nichts trinkst, kannst du ganz entspannt umgehen. Denke daran, eine Party ist für Menschen ohne Beschwerden meistens dazu da, ordentlich einen in die Birne zu kriegen (ob das der richtige Weg ist, steht wieder auf einen anderen Blatt).

Wichtig ist dabei, klar, kurz und deutlich zu formulieren. Ich würde zum Beispiel sagen:

Ich kann zur Zeit generell gar nichts trinken (oder max. ein Bier, oder was halt für dich geht), denn es tut mir nicht gut und verschlimmert meine Beschwerden, aber das ist okay für mich (der letzte Halbsatz ist wichtig, um Mitleid vorzubeugen!).

Eigentlich bleiben da keine Fragen offen und das Gespräch kann wieder in einer andere Richtung gehen.

Ein weiterer Punkt, den du selbst in der Hand hast, ist der Zeitpunkt wann du gehst.

Dieses Phänomen kennt man ja schon aus anderen Zeiten. Man ging nicht, weil man niemals der sein wollte, der früher geht.

Wenn aber jemand den Anfang gemacht hat, gingen meistens 5 andere mit. Eigentlich ziemlich beknackt.

Meine Empfehlung ist also, klar zu sagen: Ihr Lieben, ich geh jetzt. Ich drücke euch ganz fest, danke, für den schönen Abend mit euch, aber ich geh in die Heia, weil es mir gut tut. Habt noch viel Spaß. Tschüssikovsky.

Kurz und straight. Da bleiben keine Fragen offen.

Ich würde was dafür geben, wenn ich in diesem Punkt selbst so krass auf dem Punkt wäre…🙈

Beim aufbrechen bin ich zwar konsequent, aber ich würde es schon ein bisschen ausschmücken, oder ein paar Witze einbauen nach dem Motto „ich kann keine Chips mehr essen, denn ich muss noch fahren“ und so einen Blödsinn.

Nun ja, ich arbeite dran…

Entscheidend bleibt aber:

Wer selbstbestimmt bleibt, frei entscheidet und sich sicher bewegt, fährt besser damit. Wenn man sich zu sehr an die Form anpasst, besteht die Gefahr, dass man sich ärgert. Über die Welt, über die Leute, über die Ungerechtigkeit oder den sauren Regen, whatever.

Es könnte also ein Weg sein, das Sozialleben im Gleichgewicht zu halten, keinen Frust und Ärger zu schieben und mit einem guten Gefühl weiterzugehen. Es ist mit Sicherheit nicht einfach, wird aber gut tun. So ist es zumindest bei mir.

Ich wünsche euch allen einen guten Start 2019.

Cheers,

Chris

#6 „Es liegt bestimmt an mir“ – Ähm..nee!

Reflektiert sein

Vor nicht allzu langer Zeit bin ich immer wieder in Situationen gekommen, die mich hinterher an meinem eigenen Verhalten zweifeln ließen. Da war jetzt nix schlimmes dabei. Ich habe keine Omi überfallen und auch nicht die Post vom Nachbarn geklaut. Es ging schlicht um Meinungen. Meinungen sind ja bekanntlich wie Ärsche – jeder hat sie.

Da ich mich regelmäßig selbst hinterfragte und dabei so viele Fragen gestellt habe, dass ich mich am Schluss gefragt habe, was ich eigentlich gefragt habe ?! (OMG), musste ein anderer Ansatz her.

Selbstverständlich ist der Ansatz gegen das, was allgemein überall steht und empfohlen wird (Ja, ich bin ein Punk. No Future und so…). Wenn ich Punk sage, meine ich so richtig Punk. Mit gelben Haaren und einer Ratte auf der Schulter, so wie in den 80er Jahren.

Aber jetzt mal zum Topic.

Wie die meisten von Euch wissen, bin ich von chronischen Schmerzen und dem Fibromyalgie-Syndrom betroffen. Ich sage bewusst nicht „darunter leiden“, da ich nicht leide, sondern mein Leben trotzdem ganz cool finde.

Ich darf trotz dieser fiesen Einschränkungen den Aufgaben nachgehen, die mich erfüllen: Als Musiker auf der Bühne stehen, das Booking für Bands durchführen, Bloggen und mit dem Hund rausgehen. Dabei muss man stets (was für ein Wort, erinnert mich immer an die 3. Klasse – „er war stets bemüht“) aufpassen, was man ja bekanntlich nicht unbedingt macht, wenn eh alles in Butter ist.

Eins steht für mich fest: Wir achten zu wenig drauf. Daran ist nicht der Job schuld und nicht der Kumpel, der dich hängen lässt. Auch der Chef ist nicht schuld oder die Eckfahne am Fussballplatz. Selbst dein Partner hat keine Schuld und auch die AFD kann ausnahmsweise mal nix dazu. Es sind wir selbst, die den Druck machen und uns mit Sachen belasten, bis der Geist am abkotzen ist. Soweit, so übel.

Aber am schlimmsten finde ich tatsächlich, dass man in solchen Phasen oft auch noch anfängt, sich ständig zu hinterfragen. War ich das? Ist das meine Schuld? War ich gerade zu schlecht? Blablablabla….

Mal ehrlich, jeder kennt doch diese Gespräche mit sich selbst oder? (Okay, wenn ich der einzige bin, sagt mit bitte Bescheid, dann sollte ich mit jemanden darüber reden).

Ich kenne mich aus damit, denn ich war absoluter Experte darin, den Grund für alles bei mir selbst zu suchen und selbstverständlich an mir zu arbeiten und mich zu hinterfragen. Reflektiert sein nennt man das. Es ist irgendwie so eine Art Unsitte in der heutigen Zeit geworden, dass man absolut offen und reflektiert sein muss. Jeder Fehler muss unbedingt eingesehen werden, sonst kann man kein besserer Mensch werden.

Laut Google ist man sonst ein Mensch ohne Selbstbewusstsein und leidet unter Selbstablehnung. (Und Dr. Google hat immer Recht!)

Dieses Rad äußert sich bei jedem anderes. Die einen haben Magenprobleme, der nächste erschießt Ziegen und wieder andere verstärken damit chronische Schmerzen, so wie ich.

Meiner Meinung nach gehört es ganz automatisch dazu, dass man sein Umfeld so behandelt, wie man selbst gerne behandelt werden möchte. Wenn man Liebe gibt, bekommt man meist auch Liebe zurück. Wenn man Gutes gibt, bekommt man meist auch Gutes zurück. Keine Frage. Und ja, manchmal gibt man nicht nur Gutes und ist sehr scheiße…mit sich, mit anderen, mit der Kaffeemaschine (Oida, wenn die morgens spackt, dann kann ich die sowas von anschreien).

Mal im Ernst. Fast jeder, der nicht Dr. Hannibal Lecter heisst, ist doch im Grunde immer mit guten Absichten unterwegs oder? Ich bin’s auch und trage teilweise gerne mal den Einkauf von Oma Meume hoch, um Karma-Punkte zu sammeln. Trotzdem bin ich immer wieder auf Menschen getroffen, die dachten, dass ich völlig behämmert sei und ihre Meinung zu allen Themen als die weitaus bessere verkaufen.

Und was machen wir? Wir fragen uns, was wir falsch machen. Was wir ändern müssen. Vielleicht hat er, sie oder es ja Recht? Kann natürlich sein, aber ich fahre mittlerweile besser damit, den Fehler nicht nur bei mir selbst zu suchen, sondern auch mal zu sagen: Hör mal, ich hab es bis hierhin geschafft und bin in keiner Pfütze ertrunken. Ich bin eine eigenständige Person und ein fertiger Mensch und wenn ich mich so umsehe, kann ich so scheiße nicht sein. Vielleicht muss ich gar nichts ändern, sonder du! Die Möglichkeit gibt’s auch.

Deswegen ist man noch lange nicht unreflektiert oder beratungsresistent.

Ich nenne es Selbstbewusst.

Es lohnt sich also, nicht sofort einzuknicken. Haltung bewahren, meine Sicht deutlich zu machen und gleichzeitig die andere zu hören, lässt mich ruhiger schlafen und macht eindeutig weniger Schmerzen.

Achtung. Risiken und Nebenwirkungen des Ganzen: Andere Menschen können denken „der hat doch ein Brett vorm Kopf“.

Ja mei, so ist es eben dann. Die beruhigen sich auch wieder, alles eine Frage der Geduld.

Man kann Dinge anhören und akzeptieren, aber man muss Meinungen nicht teilen und darf es ganz anders sehen.

Ausdrücklich erlaubt. Punkt.

#2 Gut Leben mit Schmerzen – geht das wirklich?

Gut Leben mit Schmerzen – geht das wirklich?

Zugegeben, es ist nicht gerade die leichteste Übung und erfordert etwas mehr Ausdauer, als für die Siegerurkunde bei den Bundesjugendspielen benötigt wird (und ich hatte nicht mal die!) – aber ja, es ist grundsätzlich möglich.
Um an diesem Punkt zu kommen, durchläuft man allerdings einen längere Prozess, in dem man sich immer neuen Herausforderungen stellen muss.

Der erste und wichtigste Schritt: Akzeptanz!

Die Einschränkungen zu akzeptieren, die damit verbunden sind, war für mich tatsächlich die schwerste Aufgabe (naja..okay..auf Kinderriegel zu verzichten ist schon auch hart – puh!).

Es ist fast schon lächerlich, was für einen Aufwand ich betrieben habe, um NICHT akzeptieren zu müssen. Da wurden Energien frei, die waren schon seit gefühlten 140 Jahren nicht mehr vorhanden – woher die gekommen sind? Keine Ahnung eigentlich…aber schon erstaunlich.

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#1 Was war eigentlich los?

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Vielleicht haben sich viele da draußen gefragt, was bei mir los war und wieso es viele Monate keine Comedy-Auftritte mehr gab und es plötzlich sehr ruhig um mich wurde…

Nun gut, es wird Zeit darüber zu sprechen, gerade, weil ich damit ein neues Betätigungsfeld gefunden habe, das mich im Leben endlich wieder ein Stück nach vorne bringen kann.

Wer mich und meine Aktivitäten verfolgt hat, der weiß, dass ich immer sehr viele Felder gleichzeitig bedient habe. Ich war und bin als Sänger mit meiner A-Cappella Gruppe Six Pack unterwegs, hab eine private Musikschule betrieben und dort Gesang und Schlagzeug unterrichtet, sowie eine relativ erfolgreiche Comedy-Karriere in Gang gesetzt. Dazu bin ich ein getrennt lebender bzw. geschiedener Vater und hatte auch abseits der Arbeit immer alle 4 Herdplatten gleichzeitig auf Vollgas.

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