#8 Erkenntnisse 2018 – Selbstbestimmt entscheiden!

Ihr Lieben,

es ging ein Jahr zu Ende, das neue Erkenntnisse brachte. Ich hab mich geärgert, habe gelernt, habe mich gewundert, gemosert und am Schluss doch wieder gelacht. Man lernt nie aus und grundsätzlich war 2018 ein Jahr in dem viel passiert ist, ich aber viele neue Wege gefunden habe, mit meinen Beschwerden umzugehen, auch wenn das manchmal nicht einfach war.

Fakt ist eins: Wer mit Fibromyalgie oder chronischen Schmerzen lebt, muss nunmal genau hinsehen und gut aufpassen, denn ein „einfach drauf los“ ist in den seltensten Fällen gut und auch nicht besonders ratsam, außer man will sich noch mehr fühlen, wie vom LKW in Zwillingsbereifung überrollt.

Der bisher schönste Weg, den ich bisher für mich gefunden habe, war meinen Gedankenansatz umzustellen.

In den ersten Jahren war ich im Grunde nur damit beschäftigt, mich darüber aufzuregen, was ich nicht mehr machen kann, warum mich die Beschwerden, Schmerzen und Attacken so ausbremsen und wie am besten dagegen anzukämpfen wäre.

Diese Reaktion mag natürlich sein, ist aber letztendlich kein besonders guter Weg. Eher ein Anleitung zum noch unglücklicher sein. In einem meiner Lieblingsfilme „Bäng Boom Bäng“ würde man sagen: Kreislauf, verstehst du?

Nun kannst du aber als Mensch auch nicht einfach sagen: Jetzt ist es so – Deal with it und weiter geht’s.

Wenn es so einfach wäre, könnte man ja auch einfach aufhören, Kopfschmerzen zu haben (wenn jemand weiß wie das geht, bitte melden ;-)).

Die entscheidende Erleichterung kam in dem Augenblick, in dem ich dachte:

ES iST NICHT WICHTIG, WAS ICH ALLES NICHT MEHR KANN, SONDERN WAS ICH TROTZDEM ALLES KANN! VOR ALLEM KANN ICH DAS SELBST ENTSCHEIDEN UND MUSS NICHT IRGENDEINER VORGABE FOLGEN. BUMMS!

Diese Sichtweise hat mir wirklich entscheidend geholfen: sich über die eigenen Vorzüge und Möglichkeiten zu freuen und nicht über Dinge zu verkrampfen, die nicht so gut funzen. Sich nicht nur an gesellschaftlichen Vorgaben zu orientieren, sondern selbst Entscheidungen zu treffen und hinter diesen zu stehen.

Es mag nicht wirklich neu sein, aber es ist wahr und funktioniert wirklich. Mir ist natürlich klar, dass das leicht dahin gesagt ist und die Frage aufkommt, wie man das Ganze im Alltag umsetzen soll?

Mein Tipp lautet:

Nehmt euch kleine Dinge vor. Einzelne Momente. Ganz kleine Sachen. Dreht den Spieß einfach um.

Konzentriert euer Denken auf das, was ihr könnt, was euch gut tut, auf EURE Entscheidungen.

Die meisten Menschen die unter chronischen Beschwerden leiden, kennen vielleicht folgendes Szenario:

Du wirst zu einer Party eingeladen, alle deine Freunde sind da und du willst natürlich dein soziales Umfeld bedienen und dabei sein. Du weisst aber, dass es dir nicht besonders gut geht, du vielleicht starke Medikamente in Form von Schmerzmitteln, Psychopharmaka oder sonst was nimmst und du ganz sicher kein Partylöwe, sondern eher ein miauendes Kätzchen sein wirst. Alle Freunde und Party-Animals geben dir gute Ratschläge mit und fragen, wann du denn endlich wieder fit bist und mal wieder ordentlich einen drauf machst und wie immer weißt du nicht, was du darauf antworten sollst. Das ist der Moment, in dem du dich sehr wahrscheinlich ärgerst und die Reaktionen schon leichtes Agressions-Potential in dir aufkommen lassen. Dir ist bewusst, dass es alle gut meinen, aber deine Situation nicht wirklich nachvollziehen können. Da du nicht einfach losschreien kannst, ein Faustschlag eventuell übertrieben wäre und du nicht unfreundlich sein willst, sagst du wahrscheinlich sowas wie: ja, geht schon…wird schon. Nächstes mal bin ich wieder am Start und dann geht die Lutzi ab, wie früher. Schmeiß die Möbel aus dem Fenster, wir brauchen Platz zum däääncen.

So ging es zumindest mir sehr oft.

Nun könnte dir zum Beispiel Folgendes helfen:

Werde dir bewusst, dass es nicht die Schuld der anderen Leute ist. Sie können nichts für deine Beschwerden und es ist unglaublich schwer, sowas nachzufühlen, wenn man nicht selbst betroffen ist. Du kannst dich an dieser Stelle ärgern, oder versuchen, ihre Sichtweise zu ändern, aber das wird erstmal dauern und an dem Abend ist es sicher so gut wie unmöglich.

Du kannst aber deine Sichtweise ändern, selbstbestimmt bleiben und entscheiden, was DU willst, weil du am besten weißt, was du alles kannst und was für dich in Ordnung geht.

Das fängt schon damit an, dass du frei von schlechtem Gewissen entscheiden kannst, ob du diese Einladung überhaupt annimmst. Wenn du hin gehst, kannst du entscheiden, wie du den Abend verbringst. Sollten dich diverse Ratschläge und Meinungen nerven oder du willst ihnen aus den Weg gehen, kannst du z.B. sagen: Ich probiere gerade aus, wie weit ich gehen kann und was mir gut tut. Wie geht es Dir denn eigentlich? Zack, ist der Ball auch schon woanders.

Auch mit der Frage, warum du nichts trinkst, kannst du ganz entspannt umgehen. Denke daran, eine Party ist für Menschen ohne Beschwerden meistens dazu da, ordentlich einen in die Birne zu kriegen (ob das der richtige Weg ist, steht wieder auf einen anderen Blatt).

Wichtig ist dabei, klar, kurz und deutlich zu formulieren. Ich würde zum Beispiel sagen:

Ich kann zur Zeit generell gar nichts trinken (oder max. ein Bier, oder was halt für dich geht), denn es tut mir nicht gut und verschlimmert meine Beschwerden, aber das ist okay für mich (der letzte Halbsatz ist wichtig, um Mitleid vorzubeugen!).

Eigentlich bleiben da keine Fragen offen und das Gespräch kann wieder in einer andere Richtung gehen.

Ein weiterer Punkt, den du selbst in der Hand hast, ist der Zeitpunkt wann du gehst.

Dieses Phänomen kennt man ja schon aus anderen Zeiten. Man ging nicht, weil man niemals der sein wollte, der früher geht.

Wenn aber jemand den Anfang gemacht hat, gingen meistens 5 andere mit. Eigentlich ziemlich beknackt.

Meine Empfehlung ist also, klar zu sagen: Ihr Lieben, ich geh jetzt. Ich drücke euch ganz fest, danke, für den schönen Abend mit euch, aber ich geh in die Heia, weil es mir gut tut. Habt noch viel Spaß. Tschüssikovsky.

Kurz und straight. Da bleiben keine Fragen offen.

Ich würde was dafür geben, wenn ich in diesem Punkt selbst so krass auf dem Punkt wäre…🙈

Beim aufbrechen bin ich zwar konsequent, aber ich würde es schon ein bisschen ausschmücken, oder ein paar Witze einbauen nach dem Motto „ich kann keine Chips mehr essen, denn ich muss noch fahren“ und so einen Blödsinn.

Nun ja, ich arbeite dran…

Entscheidend bleibt aber:

Wer selbstbestimmt bleibt, frei entscheidet und sich sicher bewegt, fährt besser damit. Wenn man sich zu sehr an die Form anpasst, besteht die Gefahr, dass man sich ärgert. Über die Welt, über die Leute, über die Ungerechtigkeit oder den sauren Regen, whatever.

Es könnte also ein Weg sein, das Sozialleben im Gleichgewicht zu halten, keinen Frust und Ärger zu schieben und mit einem guten Gefühl weiterzugehen. Es ist mit Sicherheit nicht einfach, wird aber gut tun. So ist es zumindest bei mir.

Ich wünsche euch allen einen guten Start 2019.

Cheers,

Chris

Chris Strobler

Chris Strobler ist ein Musiker, Comedian und Booking-Agent aus dem fränkischen Bamberg.

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