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#11 – Comedy kann ganz schön traurig sein, wenn der Fokus verrutscht

Eine kleine Geschichte aus einer Zeit, in der ich meinen Weg verlassen hatte, ohne es zu merken.

Ihr Lieben,

vor ein paar Wochen habe ich den schönen Satz „WHERE FOCUS GOES, ENERGY FLOWS“ aufgeschnappt und mich damit etwas länger beschäftigt. Das erinnerte mich an ein Erlebnis aus meiner Zeit als Comedian, das sehr gut zeigt, wie leicht der scharfgestellte Fokus verrutschen kann und wie fatal es sich auswirkt, wenn man die falschen Dinge in der Linse hat – zudem leidet noch etwas anderes sehr extrem: Die Aufmerksamkeit

Diese Geschichte möchte ich euch heute erzählen und euch mitnehmen in eine Zeit, in der das Ruder ein bisschen aus dem Selbigen lief (Anmerkung der Red. : beknackter Satz!)

Damit ich nicht schon wieder in der Einleitung abschweife, geht es jetzt mit der Story los (naja, vorher noch einen Schluck Kaffee – so viel Zeit muss sein).

Rückblende:

Im Jahr 2014 war ich mit meiner Comedy-Show unterwegs, hatte eine schöne und erfolgreiche Premiere hinter mich gebracht und war natürlich stolz wie Bolle. Erfolgreich heißt in dem Fall, dass ich regional sehr gut gestartet war und mich mit Sack und Pack auf die Reise in die große weite Comedy-Welt gemacht hatte. Das Köfferchen für diese Reise war gepackt und voll mit meinem Idealismus. Ich würde mein Ding machen, mich verwirklichen und mich mit meiner Form der Darbietung durchsetzen – da mach ich keine Gefangenen – so lautete meine Einstellung.

Es lief sehr gut, denn ich konnte mich bei mehreren Wettbewerben zeigen, bekam Buchungen, Chancen und wuchs mit den Aufgaben. Beruflich lustig sein ist nämlich gar nicht so easy, wie man vorab denkt und man lernt quasi, während man „on Tour“ ist und bekommt jede Menge Einflüsse. Nach gut einem Jahr spielte ich bereits häufige  „Mixed Shows“ (ein Showabend, den man zusammen mit anderen Künstlern gestaltet) und hatte regelmäßige Show-Abende, an denen ich mein Programm aus „Stand up Comedy und Sit down Music“ (so nannte ich das damals) aufführen durfte.

Wie so oft, war ich im „Gas-Modus“ und mit viel Leidenschaft dabei.

Irgendwann auf diesem Weg, hatte ich allerdings eine Abzweigung genommen, die irgendwo anders hin führte…mir wurde das auf schlimme Weise nach einem Aufritt an einem Sonntag-Abend bewusst.

Ich hatte allen Grund zu strahlen wie ein Honigkuchenpferd, denn exakt am selben Ort, an dem meine Karriere zwei Jahre vorher mit einem 10-minütigen Testlauf begonnen hatte, war ich nun mit meinem Solo-Programm gebucht und hatte tatsächlich einen ausverkauften Saal vor mir (150 Menschen – sowas ist in der Kleinkunst-Szene nicht selbstverständlich). Die Leute waren von Anfang an dabei, haben gelacht, mitgesungen und gejohlt. Danach habe ich sogar ein paar Autogramme gegeben – meine Güte – was für ein Rockstar-Life. 😉

Aber dann kam der schräge Teil des Abends: Ich ging zum Umziehen, stieg in mein Auto und …fühlte mich einfach nur elend und schrecklich unglücklich. Völlig niedergeschlagen saß ich auf dem Fahrersitz und konnte das Auto nur sehr mühevoll nach Hause steuern. Hatte mir jemand heimlich eine auf die Birne gehauen? Was war nur passiert?

Mir wurde schlagartig klar, dass ich nicht mehr auf meinem Weg war und sich in der Öffentlichkeit ein Bild eingeschlichen hatte, das ich so gar nicht wollte. Ein Bild, das sich zudem furchtbar fremd und wie Plastik anfühlte. Alles kam mir völlig unecht vor und ihn mir kam die Frage auf, was zum Teufel ich hier eigentlich treibe?

Bin ich hier im falschen Film gelandet oder what? Ich dachte nach, woran es lag und sortierte meine Gedanken.

Anfangs war ich ein „Storyteller“ mit lustigen Alltagsgeschichten, die dann oft ins Abstruse gingen und am Schluss eskalierten. So fühlte ich mich wohl und war damit geerdet. Mit der Zeit und den Erfahrungen der anderen Bühnen in Deutschland, tendierte ich allerdings zu schnellen Witzen, um Kurzauftritte zu befeuern. Leider war ich aber so nicht gestrickt und habe mir das Leben selbst schwer gemacht. Mein Fokus hatte sich also verschoben und schon war ich fremdbestimmt und auf einem Pfad unterwegs, auf dem ich mich weder wohl fühlte, noch lag mein besonderes Talent darin. Irgendwie kam ich mir hier vor, wie ein Fußballer, der im defensiven Mittelfeld alles gut zusammenhält und Punkte setzt, aber plötzlich Mittelstürmer sein will und vom Elfmeterpunkt an die Eckfahne schießt.

Versteht mich nicht falsch. Es waren viele magische Abende dabei und ich war auch oft wahnsinnig happy, aber leider eben nicht nachhaltig – darin lag das Problem. Ihr erinnert euch?: „WHERE FOCUS GOES, ENERGY FLOWS“.

Da „flowte“ leider alles in bisschen in die falsche Richtung und mein sich verschlechternder Gesundheitszustand, hat dabei richtig schön in die Kerbe gehauen. Die Dinge haben sich gegenseitig begünstigt und ein Negativ-Kreislauf entstand. 

Menschen mit chronischen Erkrankungen können bestimmt unterschreiben, dass man sich dann gerne mal zurückzieht und während der Schübe schon die einfachen Dinge des Alltags sehr schwierig werden. Mit meinem damaligen Mindset und meinen körperlichen Beschwerden waren die Anforderungen für mich so hoch, wie die Zugspitze mit einem Zusatzturm und einer Antenne oben drauf.

Die Leute sahen in mir den Comedian und wollten, dass ich immer lustig bin und lache. Immer und zu jeder Zeit.

Das ist völlig normal und zeigt gut, wie schnell sich alles überhöht und wie krass man überfordert sein kann, wenn die eigenen Umstände, der falsche Fokus und dann noch die Gesundheit an einem ziehen. Plötzlich erzählten die Menschen Sachen über mich, als würden sie mich näher kennen und verbreiteten seltsame Geschichten.

Unvergessen, als ich mich plötzlich mit der Ansage konfrontiert sah, mich politisch äußern zu müssen und meinen Senf abzugeben…Argh!

Was zum Henker sollte mich denn befähigen, ein politisches Statement abzugeben? Ich kann vielleicht die Fußball-Ergebnisse vorlesen, oder aus dem Metal Hammer zitieren.

Mir wurde bewusst, dass die Menschen die Dinge, die ich auf der Bühne erzähle, teilweise für bare Münze nehmen, man als Person sehr schnell in eine Schublade gesteckt wird und daraus eine Überhöhung entsteht. Allerdings wollte ich da nicht sein und konnte es auch nicht abhalten – damals war ich darüber sauer, dabei waren die Menschen völlig unschuldig. Mein Fokus lag auf all diesen Dingen und wie es so ist, meine Aufmerksamkeit und Wahrnehmung für die anderen Sachen nahm immer mehr ab. Mir fiel auch nichts mehr Lustiges ein (Überraschung!).

Rückblickend wundert es mich nicht mehr, dass ich in diesem Moment ein „Stalking-Problem“ anzog und noch besser: meinen ersten Hater hatte – wundert es euch?

Heute würde ich damit lässig umgehen und mich wahrscheinlich über den Hater freuen, denn es wird ja immer kolportiert, dass die Hater erst mit steigendem Erfolg kommen. Egal, damals wollte ich ihm einfach eine reinhauen. Eigentlich wollte ich allen und der ganzen Welt eine reinhauen, aber damit hätte ich mir damals echt schwergetan. Sehr wahrscheinlich hätte ich mir bei einem Luftschwinger die Hand gebrochen und der Arzt wäre enttäuscht gewesen, weil ich beim Eingipsen keine Witze erzähle.

Heute sehe ich mit einem lachenden Auge zurück und bin damit im Reinen.

Es hat mir gezeigt, wie aus einer guten Sache schnell etwas sehr negativ Behaftetes werden kann, wenn man sich auf die falschen Dinge fixiert.

Seitdem habe ich eine Sache gelernt: Du kannst einen Stein ins Wasser werfen und Wellen erzeugen. In welche Richtung diese Wellen gehen, hast du selbst in der Hand. Die negative Seite ist mächtig, aber du kannst ihr begegnen und aufmerksam sein.

Allerdings bin ich längst nicht sicher davor und kann jederzeit wieder in die Falle tappen – da bin ich wie jeder andere auch. Aber wenn man hin und wieder kurz pausiert und mal alles betrachtet, hält man den Zug vielleicht früher an. Dann kann man aussteigen, zurückfahren und Hilfe holen oder einfach in die richtige Richtung weiterfahren.

Habt einen schönen Tag

Euer Chris

P.S.: Ich bin für jedes Feedback dankbar und freue mich, über eure Kommentare

#4 Wie kam ich zur Comedy – Instagram Umfrage

Achtung, jetzt kommt erstmal der berühmte Satz:

Ich war schon immer der Clown und habe alle zum Lachen gebracht…
Schon als Kind war ich immer…bla bla bla…

Stopp – so könnte es vielleicht beginnen, ist aber völliger Mumpitz.

Die Wirklich sah so aus, dass ich schon jahrelang als Musiker aktiv war und zahlreiche Bands und Projekte durchgezogen habe, aber nach der großen Anfangseuphorie, ging es nie so richtig weiter und irgendwann kam es, wie es kommen musste…

Ein Bandmitglied hat keine Lust mehr, der nächste wollte ab sofort lieber beim Teebeutelweitwurf mitmachen, ein anderer musste plötzlich immer zu Omas Geburtstag (diese Oma hatte innerhalb eines Monats 3 x 80. Geburtstag). Tatsächlicher gehörter O-Ton: Leider muss ich die Probe heute absagen, da mein Kofferraum zugefroren ist und mein Bass da drin liegt (im Sommer!) Um das Ganze abzukürzen…: Ich hatte irgendwann keinen Bock mehr darauf, immer wieder neue Leute zu suchen und endlos in Proberäumen zu stehen

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