#11 – Comedy kann ganz schön traurig sein, wenn der Fokus verrutscht

Eine kleine Geschichte aus einer Zeit, in der ich meinen Weg verlassen hatte, ohne es zu merken.

Ihr Lieben,

vor ein paar Wochen habe ich den schönen Satz „WHERE FOCUS GOES, ENERGY FLOWS“ aufgeschnappt und mich damit etwas länger beschäftigt. Das erinnerte mich an ein Erlebnis aus meiner Zeit als Comedian, das sehr gut zeigt, wie leicht der scharfgestellte Fokus verrutschen kann und wie fatal es sich auswirkt, wenn man die falschen Dinge in der Linse hat – zudem leidet noch etwas anderes sehr extrem: Die Aufmerksamkeit

Diese Geschichte möchte ich euch heute erzählen und euch mitnehmen in eine Zeit, in der das Ruder ein bisschen aus dem Selbigen lief (Anmerkung der Red. : beknackter Satz!)

Damit ich nicht schon wieder in der Einleitung abschweife, geht es jetzt mit der Story los (naja, vorher noch einen Schluck Kaffee – so viel Zeit muss sein).

Rückblende:

Im Jahr 2014 war ich mit meiner Comedy-Show unterwegs, hatte eine schöne und erfolgreiche Premiere hinter mich gebracht und war natürlich stolz wie Bolle. Erfolgreich heißt in dem Fall, dass ich regional sehr gut gestartet war und mich mit Sack und Pack auf die Reise in die große weite Comedy-Welt gemacht hatte. Das Köfferchen für diese Reise war gepackt und voll mit meinem Idealismus. Ich würde mein Ding machen, mich verwirklichen und mich mit meiner Form der Darbietung durchsetzen – da mach ich keine Gefangenen – so lautete meine Einstellung.

Es lief sehr gut, denn ich konnte mich bei mehreren Wettbewerben zeigen, bekam Buchungen, Chancen und wuchs mit den Aufgaben. Beruflich lustig sein ist nämlich gar nicht so easy, wie man vorab denkt und man lernt quasi, während man „on Tour“ ist und bekommt jede Menge Einflüsse. Nach gut einem Jahr spielte ich bereits häufige  „Mixed Shows“ (ein Showabend, den man zusammen mit anderen Künstlern gestaltet) und hatte regelmäßige Show-Abende, an denen ich mein Programm aus „Stand up Comedy und Sit down Music“ (so nannte ich das damals) aufführen durfte.

Wie so oft, war ich im „Gas-Modus“ und mit viel Leidenschaft dabei.

Irgendwann auf diesem Weg, hatte ich allerdings eine Abzweigung genommen, die irgendwo anders hin führte…mir wurde das auf schlimme Weise nach einem Aufritt an einem Sonntag-Abend bewusst.

Ich hatte allen Grund zu strahlen wie ein Honigkuchenpferd, denn exakt am selben Ort, an dem meine Karriere zwei Jahre vorher mit einem 10-minütigen Testlauf begonnen hatte, war ich nun mit meinem Solo-Programm gebucht und hatte tatsächlich einen ausverkauften Saal vor mir (150 Menschen – sowas ist in der Kleinkunst-Szene nicht selbstverständlich). Die Leute waren von Anfang an dabei, haben gelacht, mitgesungen und gejohlt. Danach habe ich sogar ein paar Autogramme gegeben – meine Güte – was für ein Rockstar-Life. 😉

Aber dann kam der schräge Teil des Abends: Ich ging zum Umziehen, stieg in mein Auto und …fühlte mich einfach nur elend und schrecklich unglücklich. Völlig niedergeschlagen saß ich auf dem Fahrersitz und konnte das Auto nur sehr mühevoll nach Hause steuern. Hatte mir jemand heimlich eine auf die Birne gehauen? Was war nur passiert?

Mir wurde schlagartig klar, dass ich nicht mehr auf meinem Weg war und sich in der Öffentlichkeit ein Bild eingeschlichen hatte, das ich so gar nicht wollte. Ein Bild, das sich zudem furchtbar fremd und wie Plastik anfühlte. Alles kam mir völlig unecht vor und ihn mir kam die Frage auf, was zum Teufel ich hier eigentlich treibe?

Bin ich hier im falschen Film gelandet oder what? Ich dachte nach, woran es lag und sortierte meine Gedanken.

Anfangs war ich ein „Storyteller“ mit lustigen Alltagsgeschichten, die dann oft ins Abstruse gingen und am Schluss eskalierten. So fühlte ich mich wohl und war damit geerdet. Mit der Zeit und den Erfahrungen der anderen Bühnen in Deutschland, tendierte ich allerdings zu schnellen Witzen, um Kurzauftritte zu befeuern. Leider war ich aber so nicht gestrickt und habe mir das Leben selbst schwer gemacht. Mein Fokus hatte sich also verschoben und schon war ich fremdbestimmt und auf einem Pfad unterwegs, auf dem ich mich weder wohl fühlte, noch lag mein besonderes Talent darin. Irgendwie kam ich mir hier vor, wie ein Fußballer, der im defensiven Mittelfeld alles gut zusammenhält und Punkte setzt, aber plötzlich Mittelstürmer sein will und vom Elfmeterpunkt an die Eckfahne schießt.

Versteht mich nicht falsch. Es waren viele magische Abende dabei und ich war auch oft wahnsinnig happy, aber leider eben nicht nachhaltig – darin lag das Problem. Ihr erinnert euch?: „WHERE FOCUS GOES, ENERGY FLOWS“.

Da „flowte“ leider alles in bisschen in die falsche Richtung und mein sich verschlechternder Gesundheitszustand, hat dabei richtig schön in die Kerbe gehauen. Die Dinge haben sich gegenseitig begünstigt und ein Negativ-Kreislauf entstand. 

Menschen mit chronischen Erkrankungen können bestimmt unterschreiben, dass man sich dann gerne mal zurückzieht und während der Schübe schon die einfachen Dinge des Alltags sehr schwierig werden. Mit meinem damaligen Mindset und meinen körperlichen Beschwerden waren die Anforderungen für mich so hoch, wie die Zugspitze mit einem Zusatzturm und einer Antenne oben drauf.

Die Leute sahen in mir den Comedian und wollten, dass ich immer lustig bin und lache. Immer und zu jeder Zeit.

Das ist völlig normal und zeigt gut, wie schnell sich alles überhöht und wie krass man überfordert sein kann, wenn die eigenen Umstände, der falsche Fokus und dann noch die Gesundheit an einem ziehen. Plötzlich erzählten die Menschen Sachen über mich, als würden sie mich näher kennen und verbreiteten seltsame Geschichten.

Unvergessen, als ich mich plötzlich mit der Ansage konfrontiert sah, mich politisch äußern zu müssen und meinen Senf abzugeben…Argh!

Was zum Henker sollte mich denn befähigen, ein politisches Statement abzugeben? Ich kann vielleicht die Fußball-Ergebnisse vorlesen, oder aus dem Metal Hammer zitieren.

Mir wurde bewusst, dass die Menschen die Dinge, die ich auf der Bühne erzähle, teilweise für bare Münze nehmen, man als Person sehr schnell in eine Schublade gesteckt wird und daraus eine Überhöhung entsteht. Allerdings wollte ich da nicht sein und konnte es auch nicht abhalten – damals war ich darüber sauer, dabei waren die Menschen völlig unschuldig. Mein Fokus lag auf all diesen Dingen und wie es so ist, meine Aufmerksamkeit und Wahrnehmung für die anderen Sachen nahm immer mehr ab. Mir fiel auch nichts mehr Lustiges ein (Überraschung!).

Rückblickend wundert es mich nicht mehr, dass ich in diesem Moment ein „Stalking-Problem“ anzog und noch besser: meinen ersten Hater hatte – wundert es euch?

Heute würde ich damit lässig umgehen und mich wahrscheinlich über den Hater freuen, denn es wird ja immer kolportiert, dass die Hater erst mit steigendem Erfolg kommen. Egal, damals wollte ich ihm einfach eine reinhauen. Eigentlich wollte ich allen und der ganzen Welt eine reinhauen, aber damit hätte ich mir damals echt schwergetan. Sehr wahrscheinlich hätte ich mir bei einem Luftschwinger die Hand gebrochen und der Arzt wäre enttäuscht gewesen, weil ich beim Eingipsen keine Witze erzähle.

Heute sehe ich mit einem lachenden Auge zurück und bin damit im Reinen.

Es hat mir gezeigt, wie aus einer guten Sache schnell etwas sehr negativ Behaftetes werden kann, wenn man sich auf die falschen Dinge fixiert.

Seitdem habe ich eine Sache gelernt: Du kannst einen Stein ins Wasser werfen und Wellen erzeugen. In welche Richtung diese Wellen gehen, hast du selbst in der Hand. Die negative Seite ist mächtig, aber du kannst ihr begegnen und aufmerksam sein.

Allerdings bin ich längst nicht sicher davor und kann jederzeit wieder in die Falle tappen – da bin ich wie jeder andere auch. Aber wenn man hin und wieder kurz pausiert und mal alles betrachtet, hält man den Zug vielleicht früher an. Dann kann man aussteigen, zurückfahren und Hilfe holen oder einfach in die richtige Richtung weiterfahren.

Habt einen schönen Tag

Euer Chris

P.S.: Ich bin für jedes Feedback dankbar und freue mich, über eure Kommentare

#10 Nur Wenn du an DICH denkst und achtsam bist, kannst du geben, vorher nicht

oder: Der richtige Treibstoff macht’s!

Habt ihr schon mal versucht, mit einem 500er Fiat aus den 50ern den Grand Prix von Monza zu gewinnen? Gut, für mich wäre das offenbar eh unmöglich, denn ich müsste mit einem aufgeschnittenen Dach fahren, um reinzupassen (oder die Füße müssen nach unten raus, wie bei Familie Feuerstein).

Aber egal, ich will jetzt gar kein Fass zum Thema „Größe“ aufmachen oder den Fiat in ein blödes Licht rücken, denn wie man sieht, ist der Kleine ja recht alt geworden und hat scheinbar auch im Schneckentempo einige Kilometer zurückgelegt. 

Ich hab ihn jedenfalls dafür bewundert und irgendwie kam mir beim Anblick dieses Gefährts ein schöner und beruhigender Gedanke:

Man kommt auch langsam ans Ziel, wichtig ist vielleicht eher, dass der Ölstand immer passt, genug Benzin im Tank ist und die Gelenke geschmiert sind. Ohne Energie rollt auch der schönste Reifen nicht. 

Ganz nebenbei: ein fetter Luxusschlitten fährt auch nicht ohne Energie! Ohne Sprit im Tank wird’s einfach eng. Mit Popel laufen die Dinger nicht und Backsteine passen nicht durch den Einfüllstutzen. Es muss also auch noch die richtige Energie rein und im Idealfall kommt mehr Energie rein, als raus geht. 

So, ab jetzt wird es auch für alle Nicht-Auto-Freaks interessant. 😉

Seit ich blogge komme ich mit sehr vielen interessanten Menschen in Kontakt und es werden natürlich auch Fragen an mich gestellt. Die Frage, die am meisten gestellt wurde, lautet:

Woher bekommst du die Energie, um auf Tour zu gehen, eine positive Grundhaltung an den Tag zu legen und uns auch noch mit deinen Weisheiten voll zu sülzen? Wie gehst du da vor, Chris?

Nun ja, erstmal muss ich sagen, dass ich natürlich auch üble Momente habe und dabei aussehe wie ein aufgeplatztes Kissen. Solche Tage gibt’s natürlich immer noch oft, wenn die Krankheit ihre übelste Fratze zeigt. Allerdings sind diese Tage sehr viel weniger geworden – warum? Der Trick liegt darin, mit den eigenen Kräften zu haushalten und vor allem immer wieder AUFZUTANKEN!

Früher war ich der schlechteste Tankwart der Welt!

Nach dem Motto „das Karma wird’s schon richten“ habe ich alles rausgehauen und mich gewundert: Hat das Karma eventuell Urlaub oder gerade schlechtes Netz? Haben wir einfach Kommunikationsschwierigkeiten oder will es mich verarschen? Ich geb‘ doch trotzdem so viel, obwohl ich Schmerzen habe…dabei habe ich einfach nicht gerafft, dass ich selbst dafür verantwortlich bin, auch zu nehmen. 

Wenn ich hier also konkret etwas empfehlen kann, dann Folgendes:

Seid achtsam mit euch, tut euch Gutes und seht immer wieder zu, dass mehr Energie reinkommt, als rausgeht. 

Gute und positive Energie kann nie genug reinkommen. Es ist wirklich so!

Das beginnt schon morgens mit dem ersten Gedanken, der einen in den Tag holt. Achtet sehr genau darauf, wie der Tag beginnt! Macht euch schöne Gedanken, döst morgens noch und denkt an den letzten Urlaub, an den Strand, an Herzen und an Liebe. Eben an alles, was euch in den Sinn kommt und euch positiv stimmt. Wenn man die Sinne morgens in den ersten Sekunden schon mit blödem Käse füllt, wird es echt schwierig. Macht euch einen leckeren Kaffee, lest etwas Lustiges, beschäftigt euch kurz mit ein paar Dingen, die euch gefallen und guttun. 

Führt eine kurze Meditation durch oder schaut in den Spiegel und lacht euch selbst an. (Wichtig: Nicht auslachen, sondern anlachen 😊)

Ich denke morgens z.B. oft an Kuchen (weiß der Geier warum, ich mach mir gar nichts aus Kuchen), aber irgendwie bringt einen der Gedanke an einen saftigen und geil riechenden Kuchen doch gut drauf, oder? Gegenprobe: denkt mal an alten, harten und stinkigen Kuchen – was passiert dann? Richtig, es wird einem schlecht. 😉

Aber genug mit den Beispielen, da hat jeder seine eigenen Dinge.

Wir müssen nur definitiv SELBST dafür sorgen, dass all diese Kraftgeber unseren Geist mit Zündstoff versorgen. 

NUR WENN DU AN DICH DENKST UND ACHTSAM BIST, KANNST DU GEBEN, VORHER NICHT.

Mit einem leeren Tank kann man nicht fahren und kann der Welt kaum was geben. 

Deswegen werde ich auch immer wieder ehrlich sagen, wenn ich gerade nichts geben kann, denn eins ist klar: Die Energie fließt immer schneller raus, als sie reinkommt. Und gerade bei Menschen mit chronischem Handicap, kann man davon ausgehen, dass der Tankvorgang sicher doppelt so lange dauert, der Speicher kleiner ist und gefühlt alles im dreifachen TGV-Tempo wieder den Körper verlässt. Da diese Rechnung nicht aufgehen kann, sage ich es nochmal:

Achtsamkeit, für positive Energie sorgen und euch mit guten Gedanken zu versorgen ist euer Hauptjob, auch wenn es oft schwer fällt – investiert in diesen Moment und lasst euch nicht davon abbringen. 

Und wenn es mal extrem schwer ist, morgens aufzustehen und der Weg zum Bad der Umrundung des Erdballs gleicht, stelle ich mir vor, dass ich der kleine Fiat bin. Schon ein bisschen älter, einige Dinge leicht defekt und nicht der schnellste. Wenn ich aber gut geschmiert bleibe, guten Treibstoff einfülle und mir die italienische Sonne auf den Rücken scheint, fahre ich noch viele Runden und werde es mit Vergnügen tun. 

SCHAFFE DIR SELBST DAS SCHÖNE! 

Das ist mein Schlüssel, um den elenden Beschwerden beizukommen. 

Habt euch lieb

Chris 

#9 Wie soll man etwas verstecken, das sich nicht verstecken lässt?

Der Mut zum offenen Visier,  ist ein logischer und lohnender Schritt!

Ihr Lieben,

wenn ich an die Anfangsjahre meiner Erkrankung zurückdenke, sitze ich hier und muss tatsächlich über mich selbst lachen. Es klingt absurd, aber ich muss wirklich sehr lachen, da ich komischerweise in der Rückblende gar nicht mehr glauben kann, was ich alles veranstaltet habe, um so zu tun, als wäre alles in Butter.  Um es mal subtil zu sagen: Es war die reinste Freakshow – unfassbar, wieviele Meilen ich mir da selbst auf die Lebensuhr gehauen habe, um „normal“ zu wirken.

Ich entschuldige diese Show im Geiste immer damit, dass ich zum dem Zeitpunkt ja dachte, dass alles wieder verschwindet, was im Grunde völliger Käse mit Soße ist. In der Realität wird einem eigentlich sehr schnell selbst klar, dass tägliche, starke Schmerzen, die Jahre andauern, nicht unbedingt normal sind und jeder Mitmensch, der 3% mehr Empathie als eine Anhängerkupplung hatte, auch wusste, dass es mir nicht gut gehen konnte. 

Aber ich habe brav den voll funktionierenden Chris gegeben, obwohl ich teilweise rumlief wie ein Zombie aus Walking Dead, mit tief liegenden Augen und aschfahlem Gesicht. Teilweise dachte ich, dass ich für meine Mitmenschen wirken muss, als würden Sie mich durch ein Fischaugenobjektiv sehen, wie dieser eine Typ bei Hot Shots (wer den Film nicht kennt, ist selbst schuld!).

Die erste Frage ist: Warum macht man das?

Die zweite Frage lautet: Wie schafft man das?  

Nun ja, es gibt ja jede Menge Menschen, die ein ziemliches Paket mit sich rumschleppen. Beim einen sind es schlimme Sorgen, der Nächste hat seelische Probleme, andere chronische Krankheiten (wie in meinem Fall) – die Liste ist endlos.

Was mich aber lange beschäftigt hat: Man kann scheinbar so fertig sein, dass man im Grunde nur noch durchsichtig rumläuft und die Anforderung morgens aufzustehen, dem Iron Man Marathon gleicht. Trotzdem scheint aber irgendeine Zelle übrig zu sein, die nochmal Speicher frei gibt. Ein innerer Sonderspeicher, der dich zum größten Schauspieler aller Zeiten werden lässt und dich zur Höchstleistung pusht.

Wäre es ein Film, könnte der Titel lauten: Ein Mann, stark wie ein Baum. Untertitel: Man nannte ihn Bonsai!

Mir fallen zahlreiche Momente ein, in denen ich den phantastischen Schauspieler gegeben habe und im Hintergrund hätte eigentlich nur noch Freddie Mercury singen müssen: Oh yes, i’m the great pretender….

Leider blieb die Oscar-Nominierung aus und die goldene Himbeere kam auch nicht. Einfach nix. 

Warum man es so macht? 

Meine Theorie ist folgende:

Wir scheinen ein System zu haben, dass alles im Gleichgewicht halten will, das die Situation unbedingt so behalten will, wie sie ist und erstmal vieles ignoriert und noch ausgleicht. Zum einen wollen wir leistungsfähig bleiben, denn der nächste Kollege lauert schon an der Ecke und übernimmt sabbernd und voller Vorfreude die Aufgabe, die du nicht mehr auf die Reihe bekommst.  Zum anderen haben wir bis zu diesem Punkt schon sehr viel investiert, in welcher Form auch immer.  In eine Ehe, in ein Haus, in den Job, in Klamotten, in Hundefutter – weiß der Geier, in was alles. 

Wir haben gegeben und die Investition soll sich gefälligst lohnen und zurückkommen. Deswegen wird alles versucht, den Schein aufrecht zu erhalten. 

Dann kommt noch ein andere Faktor hinzu: Gerede! 

Man will einfach nicht, dass irgendjemand sagt: „Oh man, so ein Weichei, der soll halt mal ein Schnitzel essen, dann geht’s ihm wieder besser. Mir tut auch mal was weh, heul ich deswegen rum? Nein!“

Also geht THE WALL hoch – schützt zum einen, nagt aber an dir, wie der Hund am Knochen.

Wie schafft der Körper das?

Keinen Plan, aber ich stelle es mir so vor:

Wenn wir technische Geräte wären, würde der Akku längst „low“ anzeigen und vielleicht der Virenscanner laufen. Das Gerät hat folgenden Vorteil: Wenn die Energie aufgebracht ist, geht das Teil aus, bleibt stehen oder stellt einfach die Funktion ein. Ende und over…

Beim Menschen ist das nicht so, denn wir haben etwas, das sich Substanz nennt. Wir können aus der Substanz ziehen und noch weiter funktionieren. Wie krass! Wir können daraus richtig viel leisten und z.B. große Schauspieler werden…manchmal brauchen wir die Substanz und es ist absolut gut, sie zu haben. Wenn wir allerdings zu lange daraus ziehen, schädigen wir uns nachhaltig, wie eine alte Vinyl-Platte. 

Wir machen Kratzer und Kerben in unsere Systeme, die manchmal nicht mehr so einfach zu reparieren sind.

Seit mir diese Sache bewusst wurde, was ich da eigentlich tue, fiel es mir plötzlich nicht mehr so schwer, deutlich zu werden und mehr auf mich zu achten – denn ich will keine weiteren Kerben in meiner inneren Schallplatte und meine Substanz behalten.

Im Gegenteil, nach den ersten Momenten machte sich eine Stärke breit, denn es gibt drei Vorteile an der Sache:

  • Du verlierst keine Energie mehr, weil du nicht mehr als „Tom Cruise Light unterwegs“ bist.
  • Du bekommst einen Schub an Selbstvertrauen, da du dich klar ausdrückst und damit Diskussionen erstickst (Kleiner Tipp:  Verwende das Wort „Generell“ hin und wieder – es ist sehr kräftig und lässt kaum Fragen offen ;))
  • Deine Mitmenschen bekommen klare Information von dir und können sie einordnen.

Den letzten Punkt finde ich richtig gut, denn wie soll jemand auf dich reagieren, wenn du offensichtlich nicht okay bist und du ihm sagst: Passt schon, geht schon, wird schon? Ich glaube, dass erzeugt viel Unsicherheit!

Es ist also absolut sinnvoll, diesen Weg zu stoppen und nicht weiter zu verstecken, was man nicht verstecken kann. 

Ich weiß, es hört sich leichter an als es ist, aber probiere es einfach aus.

Fazit:

SICH DURCHZUSETZEN UND KLAR AUSZUDRÜCKEN, BRINGT DIR SELBSTVERTRAUEN, EIN GUTES GEFÜHL UND ES KOSTET DICH PRAKTISCH NICHTS – NUR EIN BISSCHEN MUT! DAFÜR VERLIERST DU ABER EIN PAAR PROZENT LAST.

Habt euch lieb!

Chris Strobler

#8 Erkenntnisse 2018 – Selbstbestimmt entscheiden!

Ihr Lieben,

es ging ein Jahr zu Ende, das neue Erkenntnisse brachte. Ich hab mich geärgert, habe gelernt, habe mich gewundert, gemosert und am Schluss doch wieder gelacht. Man lernt nie aus und grundsätzlich war 2018 ein Jahr in dem viel passiert ist, ich aber viele neue Wege gefunden habe, mit meinen Beschwerden umzugehen, auch wenn das manchmal nicht einfach war.

Fakt ist eins: Wer mit Fibromyalgie oder chronischen Schmerzen lebt, muss nunmal genau hinsehen und gut aufpassen, denn ein „einfach drauf los“ ist in den seltensten Fällen gut und auch nicht besonders ratsam, außer man will sich noch mehr fühlen, wie vom LKW in Zwillingsbereifung überrollt.

Der bisher schönste Weg, den ich bisher für mich gefunden habe, war meinen Gedankenansatz umzustellen.

In den ersten Jahren war ich im Grunde nur damit beschäftigt, mich darüber aufzuregen, was ich nicht mehr machen kann, warum mich die Beschwerden, Schmerzen und Attacken so ausbremsen und wie am besten dagegen anzukämpfen wäre.

Diese Reaktion mag natürlich sein, ist aber letztendlich kein besonders guter Weg. Eher ein Anleitung zum noch unglücklicher sein. In einem meiner Lieblingsfilme „Bäng Boom Bäng“ würde man sagen: Kreislauf, verstehst du?

Nun kannst du aber als Mensch auch nicht einfach sagen: Jetzt ist es so – Deal with it und weiter geht’s.

Wenn es so einfach wäre, könnte man ja auch einfach aufhören, Kopfschmerzen zu haben (wenn jemand weiß wie das geht, bitte melden ;-)).

Die entscheidende Erleichterung kam in dem Augenblick, in dem ich dachte:

ES iST NICHT WICHTIG, WAS ICH ALLES NICHT MEHR KANN, SONDERN WAS ICH TROTZDEM ALLES KANN! VOR ALLEM KANN ICH DAS SELBST ENTSCHEIDEN UND MUSS NICHT IRGENDEINER VORGABE FOLGEN. BUMMS!

Diese Sichtweise hat mir wirklich entscheidend geholfen: sich über die eigenen Vorzüge und Möglichkeiten zu freuen und nicht über Dinge zu verkrampfen, die nicht so gut funzen. Sich nicht nur an gesellschaftlichen Vorgaben zu orientieren, sondern selbst Entscheidungen zu treffen und hinter diesen zu stehen.

Es mag nicht wirklich neu sein, aber es ist wahr und funktioniert wirklich. Mir ist natürlich klar, dass das leicht dahin gesagt ist und die Frage aufkommt, wie man das Ganze im Alltag umsetzen soll?

Mein Tipp lautet:

Nehmt euch kleine Dinge vor. Einzelne Momente. Ganz kleine Sachen. Dreht den Spieß einfach um.

Konzentriert euer Denken auf das, was ihr könnt, was euch gut tut, auf EURE Entscheidungen.

Die meisten Menschen die unter chronischen Beschwerden leiden, kennen vielleicht folgendes Szenario:

Du wirst zu einer Party eingeladen, alle deine Freunde sind da und du willst natürlich dein soziales Umfeld bedienen und dabei sein. Du weisst aber, dass es dir nicht besonders gut geht, du vielleicht starke Medikamente in Form von Schmerzmitteln, Psychopharmaka oder sonst was nimmst und du ganz sicher kein Partylöwe, sondern eher ein miauendes Kätzchen sein wirst. Alle Freunde und Party-Animals geben dir gute Ratschläge mit und fragen, wann du denn endlich wieder fit bist und mal wieder ordentlich einen drauf machst und wie immer weißt du nicht, was du darauf antworten sollst. Das ist der Moment, in dem du dich sehr wahrscheinlich ärgerst und die Reaktionen schon leichtes Agressions-Potential in dir aufkommen lassen. Dir ist bewusst, dass es alle gut meinen, aber deine Situation nicht wirklich nachvollziehen können. Da du nicht einfach losschreien kannst, ein Faustschlag eventuell übertrieben wäre und du nicht unfreundlich sein willst, sagst du wahrscheinlich sowas wie: ja, geht schon…wird schon. Nächstes mal bin ich wieder am Start und dann geht die Lutzi ab, wie früher. Schmeiß die Möbel aus dem Fenster, wir brauchen Platz zum däääncen.

So ging es zumindest mir sehr oft.

Nun könnte dir zum Beispiel Folgendes helfen:

Werde dir bewusst, dass es nicht die Schuld der anderen Leute ist. Sie können nichts für deine Beschwerden und es ist unglaublich schwer, sowas nachzufühlen, wenn man nicht selbst betroffen ist. Du kannst dich an dieser Stelle ärgern, oder versuchen, ihre Sichtweise zu ändern, aber das wird erstmal dauern und an dem Abend ist es sicher so gut wie unmöglich.

Du kannst aber deine Sichtweise ändern, selbstbestimmt bleiben und entscheiden, was DU willst, weil du am besten weißt, was du alles kannst und was für dich in Ordnung geht.

Das fängt schon damit an, dass du frei von schlechtem Gewissen entscheiden kannst, ob du diese Einladung überhaupt annimmst. Wenn du hin gehst, kannst du entscheiden, wie du den Abend verbringst. Sollten dich diverse Ratschläge und Meinungen nerven oder du willst ihnen aus den Weg gehen, kannst du z.B. sagen: Ich probiere gerade aus, wie weit ich gehen kann und was mir gut tut. Wie geht es Dir denn eigentlich? Zack, ist der Ball auch schon woanders.

Auch mit der Frage, warum du nichts trinkst, kannst du ganz entspannt umgehen. Denke daran, eine Party ist für Menschen ohne Beschwerden meistens dazu da, ordentlich einen in die Birne zu kriegen (ob das der richtige Weg ist, steht wieder auf einen anderen Blatt).

Wichtig ist dabei, klar, kurz und deutlich zu formulieren. Ich würde zum Beispiel sagen:

Ich kann zur Zeit generell gar nichts trinken (oder max. ein Bier, oder was halt für dich geht), denn es tut mir nicht gut und verschlimmert meine Beschwerden, aber das ist okay für mich (der letzte Halbsatz ist wichtig, um Mitleid vorzubeugen!).

Eigentlich bleiben da keine Fragen offen und das Gespräch kann wieder in einer andere Richtung gehen.

Ein weiterer Punkt, den du selbst in der Hand hast, ist der Zeitpunkt wann du gehst.

Dieses Phänomen kennt man ja schon aus anderen Zeiten. Man ging nicht, weil man niemals der sein wollte, der früher geht.

Wenn aber jemand den Anfang gemacht hat, gingen meistens 5 andere mit. Eigentlich ziemlich beknackt.

Meine Empfehlung ist also, klar zu sagen: Ihr Lieben, ich geh jetzt. Ich drücke euch ganz fest, danke, für den schönen Abend mit euch, aber ich geh in die Heia, weil es mir gut tut. Habt noch viel Spaß. Tschüssikovsky.

Kurz und straight. Da bleiben keine Fragen offen.

Ich würde was dafür geben, wenn ich in diesem Punkt selbst so krass auf dem Punkt wäre…🙈

Beim aufbrechen bin ich zwar konsequent, aber ich würde es schon ein bisschen ausschmücken, oder ein paar Witze einbauen nach dem Motto „ich kann keine Chips mehr essen, denn ich muss noch fahren“ und so einen Blödsinn.

Nun ja, ich arbeite dran…

Entscheidend bleibt aber:

Wer selbstbestimmt bleibt, frei entscheidet und sich sicher bewegt, fährt besser damit. Wenn man sich zu sehr an die Form anpasst, besteht die Gefahr, dass man sich ärgert. Über die Welt, über die Leute, über die Ungerechtigkeit oder den sauren Regen, whatever.

Es könnte also ein Weg sein, das Sozialleben im Gleichgewicht zu halten, keinen Frust und Ärger zu schieben und mit einem guten Gefühl weiterzugehen. Es ist mit Sicherheit nicht einfach, wird aber gut tun. So ist es zumindest bei mir.

Ich wünsche euch allen einen guten Start 2019.

Cheers,

Chris

#7 Bloggen???

Ihr Lieben,

letzte Woche hat mich folgende Nachricht erreicht:

„Sag mal, warum schreibst du denn nix mehr? Hat das einen Grund? Wir warten!“

BÄM! Diese linke Gerade hat gesessen und hatte gleichzeitig noch die Wirkung eines Leberhakens. Denn ich wurde hier tatsächlich kalt erwischt. Obwohl mir längst klar war, dass ich irgendwie keinen Content liefere und die Monate schon ins Land gezogen waren…(Argh!).

Die ganze Sache lief natürlich schleichend ab. Als würde man immer wieder ein Stück Kinderschokolade naschen und dabei denken: Wird schon nicht gleich auf die Hüften gehen. Meist kommt es aber unweigerlich und wie von Zauberhand so, dass die Hose plötzlich nicht mehr zugeht und man gibt dem Trockner die Schuld, weil das Mistding scheinbar darin eingegangen ist.

Aber gut, die Frage war ja echt berechtigt und musste beantwortet werden – tatsächlich hatte ich sie schon länger erwartet.

Auf Los geht’s los:

Wer mir bisher gefolgt ist, kennt meinen Werdegang und weiß, dass ich im letzten Frühjahr mit viel Tamtam und Knallbummpeng meinen Blog angekündigt habe. Und wer mich noch nähererererer kennt, der weiß ganz sicher: Wenn der was ankündigt, dann folgen meistens Taten.

Aber jetzt kommt’s: Als alles vorbereitet und angerichtet war, wie der Tisch bei „Dinner for one“, ist die Sache plötzlich ins Stottern geraten. Why?

Gut, man könnte sagen, ich hatte zu wenig Zeit oder musste Lebensumstände ändern. Es könnte auch am Job gelegen haben oder an meiner Phantasie-Vorstellung, dem Elend auf der Welt ein Ende setzen zu können und die Menschheit einfach komplett zu befreien – von ALLEM! Wenn ich so nachdenke, fällt mir noch einiges ein…

Wenn ich allerdings ganz ehrlich bin, muss ich eine Sache zugeben: Ich habe mich verunsichern und bequatschen lassen. Dabei kann ich gar nicht so konkret sagen, durch wen oder was. Im Grunde bin ich da nicht anfällig und sehe mich ja eher als ziemlicher„Durchzieher“.

Was ich dabei allerdings unterschätzt habe, sind all die Meinungen und Äußerungen, denen man ausgesetzt wird, sobald man ankündigt einen Blog zu betreiben. Wie ich eben so bin, habe ich es natürlich anderen Leuten auf die Nase gebunden, ob sie wollten oder nicht, egal!

Klar, es gibt natürlich eine Hand voll Freunde und Leute, deren Meinung ich schwer schätze und als wichtig und meist richtig ansehe. Da gibt’s Menschen, denen man vertraut, da die gefühlt auch mal auf die Schnelle ein Champions League Spiel moderieren könnten und wahrscheinlich eine gute Figur abgeben würden.

Von diesen lieben Leuten lass ich mir dann auch gerne mal eine andere Sichtweise erklären (aber nur unter Protest – Hahaha!).

Am Schluss sind es eigentlich die vielen Äußerungen und Meinungen, die gänzlich ungefragt den Mündern der Weisheit entlaufen, die das Zögern erst verursachen. Scheinbar weiß jeder, der NICHT bloggt (!!!), komischerweise sofort, wie man sowas doooddaaal richtig cool schreibt und wie man es viel besser macht.

Obwohl ich zu dem Zeitpunkt noch gar nichts geschrieben hatte. Cool oder?

Gut, ich denke, das geht aber gerade noch in Ordnung. Denn etwas verbessern ist ja keine schlechte Sache und es kann sehr hilfreich sein, diese Einflüsse zu bekommen.

Allerdings steht am Anfang immer derjenige, der das Papier schwarz bekommt und was schreibt. Wenn’s den nicht gibt, kann man auch nix verbessern und nix besser wissen. Es kann also passieren, dass man so beeinflusst wird, dass man nichts mehr zu Papier bringt, weil es ja eh Schrott sein könnte. Man wird Sklave der eigenen Unsicherheiten und überhaupt kommt man zu dem Ergebnis, dass das alles ja für’n Arsch ist. Jaja, so kann’s gehen. Bumms!

Anbei eine Auswahl, verschiedener Kommentare zu meinem Vorhaben:

  • Bloggen? Bist du jetzt Lebensberater oder was? (what?)
  • Kommt das nicht ein bisschen Psycho rüber (whaaat?)
  • Das machen doch eh schon so viele andere, wer will denn sowas lesen?(whaaaat?)
  • Wenn du so öffentlich schreibst,  dann machst du dich ja angreifbar…(whaaaaat?)
  • Was sollen denn deine Freunde und alle die dich kennen darüber denken?(whaaaaaaaaat?)

Hmm, alles vielleicht nicht unwahr, oder diskutabel, aber ich halte es hier wie Udo L und sag einfach: Ich mach mein Ding!

Ratschläge wie man’s „richtig“ macht, nehme ich gerne an. Nur möchte ich in Zukunft vorher wissen, ob du selbst etwas entwerfen kannst. Ob du den Mut besitzt, etwas zu zeigen und es auch verbessern zu lassen. Ob du eine Instanz bist, die das beurteilen kann. Dann ist für mich alles in Butter und ich höre gerne zu.

Ausgenommen sind natürlich die Leser des fertigen Blogs, denn die dürfen gerne Rückmeldung geben, kritisieren und hinterfragen und mich löchern, dafür ist ja so ein Text auch da. Im besten Fall bringt’s einen weiter und man kann sich dabei was rausziehen. Wenn man der Meinung ist, dass der Text einfach nur Käse ist, dann ist das auch okay.

Letztendlich bin ich jetzt für die eingangs erwähnte Nachricht ziemlich dankbar, denn sie hat einen super Denkprozess angestoßen und Vieles bewirkt.

Deswegen komme ich zu folgender Erkenntnis:

Wenn man etwas durchziehen will, muss man standhaft bleiben, denn man hat sich diesem Wunsch ja hingegeben und verfolgt einen Plan. Es ist normal, dass es viele Meinungen geben wird und es ist dir selbst überlassen, worauf du eingehst und worauf du nicht eingehst. Jedoch nimmt dir kaum jemand eine Entscheidung ab, da muss man schon selbst ran und die Sache durchziehen. Oder eben nicht.

Eigenverantwortung ist Trumpf!

In diesem Sinne, ich wünsche euch noch eine schöne Woche und ja, es wird wieder gebloggt, und zwar viel!

Chris

#6 „Es liegt bestimmt an mir“ – Ähm..nee!

Reflektiert sein

Vor nicht allzu langer Zeit bin ich immer wieder in Situationen gekommen, die mich hinterher an meinem eigenen Verhalten zweifeln ließen. Da war jetzt nix schlimmes dabei. Ich habe keine Omi überfallen und auch nicht die Post vom Nachbarn geklaut. Es ging schlicht um Meinungen. Meinungen sind ja bekanntlich wie Ärsche – jeder hat sie.

Da ich mich regelmäßig selbst hinterfragte und dabei so viele Fragen gestellt habe, dass ich mich am Schluss gefragt habe, was ich eigentlich gefragt habe ?! (OMG), musste ein anderer Ansatz her.

Selbstverständlich ist der Ansatz gegen das, was allgemein überall steht und empfohlen wird (Ja, ich bin ein Punk. No Future und so…). Wenn ich Punk sage, meine ich so richtig Punk. Mit gelben Haaren und einer Ratte auf der Schulter, so wie in den 80er Jahren.

Aber jetzt mal zum Topic.

Wie die meisten von Euch wissen, bin ich von chronischen Schmerzen und dem Fibromyalgie-Syndrom betroffen. Ich sage bewusst nicht „darunter leiden“, da ich nicht leide, sondern mein Leben trotzdem ganz cool finde.

Ich darf trotz dieser fiesen Einschränkungen den Aufgaben nachgehen, die mich erfüllen: Als Musiker auf der Bühne stehen, das Booking für Bands durchführen, Bloggen und mit dem Hund rausgehen. Dabei muss man stets (was für ein Wort, erinnert mich immer an die 3. Klasse – „er war stets bemüht“) aufpassen, was man ja bekanntlich nicht unbedingt macht, wenn eh alles in Butter ist.

Eins steht für mich fest: Wir achten zu wenig drauf. Daran ist nicht der Job schuld und nicht der Kumpel, der dich hängen lässt. Auch der Chef ist nicht schuld oder die Eckfahne am Fussballplatz. Selbst dein Partner hat keine Schuld und auch die AFD kann ausnahmsweise mal nix dazu. Es sind wir selbst, die den Druck machen und uns mit Sachen belasten, bis der Geist am abkotzen ist. Soweit, so übel.

Aber am schlimmsten finde ich tatsächlich, dass man in solchen Phasen oft auch noch anfängt, sich ständig zu hinterfragen. War ich das? Ist das meine Schuld? War ich gerade zu schlecht? Blablablabla….

Mal ehrlich, jeder kennt doch diese Gespräche mit sich selbst oder? (Okay, wenn ich der einzige bin, sagt mit bitte Bescheid, dann sollte ich mit jemanden darüber reden).

Ich kenne mich aus damit, denn ich war absoluter Experte darin, den Grund für alles bei mir selbst zu suchen und selbstverständlich an mir zu arbeiten und mich zu hinterfragen. Reflektiert sein nennt man das. Es ist irgendwie so eine Art Unsitte in der heutigen Zeit geworden, dass man absolut offen und reflektiert sein muss. Jeder Fehler muss unbedingt eingesehen werden, sonst kann man kein besserer Mensch werden.

Laut Google ist man sonst ein Mensch ohne Selbstbewusstsein und leidet unter Selbstablehnung. (Und Dr. Google hat immer Recht!)

Dieses Rad äußert sich bei jedem anderes. Die einen haben Magenprobleme, der nächste erschießt Ziegen und wieder andere verstärken damit chronische Schmerzen, so wie ich.

Meiner Meinung nach gehört es ganz automatisch dazu, dass man sein Umfeld so behandelt, wie man selbst gerne behandelt werden möchte. Wenn man Liebe gibt, bekommt man meist auch Liebe zurück. Wenn man Gutes gibt, bekommt man meist auch Gutes zurück. Keine Frage. Und ja, manchmal gibt man nicht nur Gutes und ist sehr scheiße…mit sich, mit anderen, mit der Kaffeemaschine (Oida, wenn die morgens spackt, dann kann ich die sowas von anschreien).

Mal im Ernst. Fast jeder, der nicht Dr. Hannibal Lecter heisst, ist doch im Grunde immer mit guten Absichten unterwegs oder? Ich bin’s auch und trage teilweise gerne mal den Einkauf von Oma Meume hoch, um Karma-Punkte zu sammeln. Trotzdem bin ich immer wieder auf Menschen getroffen, die dachten, dass ich völlig behämmert sei und ihre Meinung zu allen Themen als die weitaus bessere verkaufen.

Und was machen wir? Wir fragen uns, was wir falsch machen. Was wir ändern müssen. Vielleicht hat er, sie oder es ja Recht? Kann natürlich sein, aber ich fahre mittlerweile besser damit, den Fehler nicht nur bei mir selbst zu suchen, sondern auch mal zu sagen: Hör mal, ich hab es bis hierhin geschafft und bin in keiner Pfütze ertrunken. Ich bin eine eigenständige Person und ein fertiger Mensch und wenn ich mich so umsehe, kann ich so scheiße nicht sein. Vielleicht muss ich gar nichts ändern, sonder du! Die Möglichkeit gibt’s auch.

Deswegen ist man noch lange nicht unreflektiert oder beratungsresistent.

Ich nenne es Selbstbewusst.

Es lohnt sich also, nicht sofort einzuknicken. Haltung bewahren, meine Sicht deutlich zu machen und gleichzeitig die andere zu hören, lässt mich ruhiger schlafen und macht eindeutig weniger Schmerzen.

Achtung. Risiken und Nebenwirkungen des Ganzen: Andere Menschen können denken „der hat doch ein Brett vorm Kopf“.

Ja mei, so ist es eben dann. Die beruhigen sich auch wieder, alles eine Frage der Geduld.

Man kann Dinge anhören und akzeptieren, aber man muss Meinungen nicht teilen und darf es ganz anders sehen.

Ausdrücklich erlaubt. Punkt.

Spruch der Woche #2

Ich komme gerne schnell zu einem Ergebnis und habe vor langer Zeit eine Sache für mich klar gemacht:

Wenn du etwas nicht anfängst, weil du auf den idealen Zeitpunkt wartest, oder dich erst die Muse küssen muss, dann bist du auf dem Holzweg.

„Aber, es soll doch richtig gut werden und ich will es perfekt machen“.

Sicher, auch eine Herangehensweise, aber ich denke, dass man einfach beginnen muss. Setz dich hin und fang an, dann kommen die Ideen.

Nimm dir ein Blatt Papier und schreib etwas drauf, egal was. Verbessern kannst du auch am nächsten Tag.

So kommt man schnell zum Ergebnis. Meine Meinung. Punkt. 😉

Cheers, Chris

#5 Konservativer Rock’n Roll – hää? Wasn das?

Ihr Lieben, erst mal freue ich mich, dass ihr auf meiner Seite und bei meinem Blog gelandet seid.

Nun, es gibt schon einige Rückfragen, was ich mit dem Begriff „Konservativer Rock’n Roll“ denn meinen würde. Schließt sich das nicht gegenseitig aus bzw. ist das nicht ein Widerspruch in sich? Klare Antwort: Nö!

Was ich damit meine, ist im Groben Folgendes:

Sei kreativ, sei mutig, hab neue Ideen und setze sie um. Sei rebellisch und roh.

Verliere deine Phantasie und deine Leidenschaft nicht und baue nicht zu viele Ängste auf.  Wie das funktioniert? Wichtig ist ein Plan B, eine Rückversicherung oder eine Idee, wie du im Spiel bleibst.

Beispiel:

Du bist jemand, der jeden Tag im Büro sitzt und vor sich hin träumt. Der Job langweilt, die Kollegen nerven und du möchtest schon seit gefühlten 10 Jahren dein eigenes Ding machen. Du hast jede Menge Ideen, setzt sie aber nie wirklich um. Jetzt passiert das, was vielen passiert. Was auch mir teilweise passiert ist.

Du hast Angst vor dem nächsten Schritt, aber weißt gleichzeitig, er wäre unglaublich wichtig. Für dich und dein zukünftiges Glück. Dann bist du umgeben von Leuten, die dir sagen, du sollst es lassen und auf keinen Fall deinen Job sausen lassen (sonst geht die Welt unter und es gibt nie mehr Abendessen auf der Welt), dass du doch zufrieden sein kannst, dass du einen Job hast, dass jeder mal unzufrieden wäre und das normal wäre..etc. etc.

Gleichzeitig triffst du auf Leute, die dir sagen werden, dass du diesen Schritt unbedingt gehen und alles auf eine Karte setzen musst. Du kaufst dir Bücher, in denen Leute „Tschakka“ rufen und Erfolgsgeschichten erzählen, von Ford, Aldi, oder Netto, oder..Hans Meiser…und in denen die Frage gestellt wird, ob du denn wirklich hundertprozentig „committed“ seist, deiner Passion folgen würdest usw.

Du setzt also mit zitterndem Händchen alles auf eine Karte, kündigst den Job, nimmst deine paar Kröten vom Konto und eröffnest das langersehnte eigene Café. Soweit, so cool.

Nun geht’s aber los. Die Pacht läuft, der Strom muss gezahlt werden, das Finanzamt steht vor der Tür und du merkst, dass du verdammt viele Espressi verkaufen musst, um die Knete zu verdienen, die du brauchst um entspannt zu leben. Der selbstgemachte Kuchen wird langsam zu aufwendig und dir fehlt die Zeit, weil dich das Personal sitzenlässt („Sorry, war gestern bechern und hab ganz schlimme Migräne“) und plötzlich wird es schon eng für dich. Auf einmal stehst du 50 Stunden pro Woche im Café und wünschst dir mal einen schönen, langen Angestellten-Feierabend auf der Couch.

Ich weiß, klingt wie ein Horror Szenario in Watzlawicks Hirn, ist aber leider sehr oft Realität.

Konservativer Rock’n Roll wäre gewesen, das Ziel, in diesem Fall ein Café zu eröffnen, langfristig zu planen und auf eine gesunde Grundlage zu stellen. Kein (oder sagen wir, kaum ein) Chef beißt einem sofort den Kopf ab, wenn man danach fragt, ob man z.B. auch ein paar Stunden reduzieren kann.

Die gewonnene Zeit könnte man z.B. in die Entwicklung eines Webshops für gute Kaffeesorten stecken und den Shop nach und nach ausbauen. Mehr als nein sagen kann der Chef nicht. Wenn dein Shop erste Kunden hat, kannst du immer noch überlegen, den nächsten Step zu gehen. Jetzt kommt vermutlich das Argument, der Chef würde das niemals erlauben und wäre stocksauer – sicher? Und selbst wenn?

Ich rate dir ganz eindeutig (auch weil ich erstere Erfahrung in anderer Form selbst schon gemacht habe), mehrere Eisen im Feuer zu haben, um einen Ausgleich zu schaffen.  Zuviel Rock’n Roll macht aus dir langsam aber sicher eine sabbernde Zombiegestalt, bist du dagegen immer nur konservativ, wirst du irgendwann stocksteif und bekommst einen Bandscheibenvorfall – auch wieder nix. Die Mitte ist das Zauberwort.

Alles was du im richtigen Maß für dich betreibst, bringt dich auch weiter.

Oder anders gesagt: mit Spaß angeln zu gehen, ist eben etwas Anderes, als den ganzen Tag auf dem Fischkutter zu arbeiten.

So, nun werde ich einen relativ konservativen Espresso trinken (ziemlich schwach, das Ding) und meinen Tagesritualen folgen (erstmal unspektakulär: Der Hund muss raus). Dann geht’s ans Tagesgeschäft: Booking.

Ich danke dir bis hierhin für’s Lesen und Folgen. Bis zum nächsten Blog 😉

Ich freue mich auf dich!

Cheers, Chris Strobler

Spruch der Woche #1

Dauernd lese ich irgendwelche Sinnsprüche, die angeblich irgendwer mal gesagt hat.

Konfuzius, Buddha, Muhammad Ali, Ronald McDonald, Frau Ströbl aus dem Lottoladen an der Ecke…wer weiß das schon.

Also, hier ist meiner zu lesen s.o.

Stammt absolut und tausendprozentig von Chris Strobler (konservativer Rock’n Roller).

Have fun

cheers, Chris

#4 Wie kam ich zur Comedy – Instagram Umfrage

Achtung, jetzt kommt erstmal der berühmte Satz:

Ich war schon immer der Clown und habe alle zum Lachen gebracht…
Schon als Kind war ich immer…bla bla bla…

Stopp – so könnte es vielleicht beginnen, ist aber völliger Mumpitz.

Die Wirklich sah so aus, dass ich schon jahrelang als Musiker aktiv war und zahlreiche Bands und Projekte durchgezogen habe, aber nach der großen Anfangseuphorie, ging es nie so richtig weiter und irgendwann kam es, wie es kommen musste…

Ein Bandmitglied hat keine Lust mehr, der nächste wollte ab sofort lieber beim Teebeutelweitwurf mitmachen, ein anderer musste plötzlich immer zu Omas Geburtstag (diese Oma hatte innerhalb eines Monats 3 x 80. Geburtstag). Tatsächlicher gehörter O-Ton: Leider muss ich die Probe heute absagen, da mein Kofferraum zugefroren ist und mein Bass da drin liegt (im Sommer!) Um das Ganze abzukürzen…: Ich hatte irgendwann keinen Bock mehr darauf, immer wieder neue Leute zu suchen und endlos in Proberäumen zu stehen

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