#4 Wie kam ich zur Comedy – Instagram Umfrage

Achtung, jetzt kommt erstmal der berühmte Satz:

Ich war schon immer der Clown und habe alle zum Lachen gebracht…
Schon als Kind war ich immer…bla bla bla…

Stopp – so könnte es vielleicht beginnen, ist aber völliger Mumpitz.

Die Wirklich sah so aus, dass ich schon jahrelang als Musiker aktiv war und zahlreiche Bands und Projekte durchgezogen habe, aber nach der großen Anfangseuphorie, ging es nie so richtig weiter und irgendwann kam es, wie es kommen musste…

Ein Bandmitglied hat keine Lust mehr, der nächste wollte ab sofort lieber beim Teebeutelweitwurf mitmachen, ein anderer musste plötzlich immer zu Omas Geburtstag (diese Oma hatte innerhalb eines Monats 3 x 80. Geburtstag). Tatsächlicher gehörter O-Ton: Leider muss ich die Probe heute absagen, da mein Kofferraum zugefroren ist und mein Bass da drin liegt (im Sommer!) Um das Ganze abzukürzen…: Ich hatte irgendwann keinen Bock mehr darauf, immer wieder neue Leute zu suchen und endlos in Proberäumen zu stehen

Also habe ich mir ein paar motivierende Clips im Netz angesehen und dachte mir: Tschaka Junge! Du kannst ganz trommeln, singen und Gitarre spielen. Außerdem sagst du manchmal lustige Sachen ins Mikro und das Publikum lacht ab und zu (zumindest die 10-jährigen Kids). Die Aussicht, völlig alleine unterwegs zu sein und die Gage nicht teilen zu müssen, fand ich ebenfalls Bombe. Zudem kann es keinen Streit und anschließend auch keine Trennung wegen musikalischer Differenzen geben (wobei, ich kenne Alleinunterhalter, die sich mit ihrem Keyboard gestritten haben)…

Blauäugig und leicht gestört wie ich war, ging ich natürlich davon aus, dass die Welt ab sofort nur über meine Witze lachen würde und vor meinem geistigen Auge, sah ich mich schon in einer goldenen Badewanne sitzen und mit Schuhen aus Glas durch die Gegend latschen.

Schließlich war ich in einer Gruppe von Leuten immer der lustige Chris und hatte die dicken Sprüche drauf…soweit meine Einschätzung – FATAL!

Die ersten Gehversuche vor Publikum waren nämlich ganz harte Erfahrungen, nach denen ich am liebsten im Boden versunken wäre. Ich musste auf die ganz harte Art lernen, dass ein paar coole Sprüche unter Freunden etwas ganz anderes sind, als mit einer strukturierten Comedy Nummer auf die Bühne zu gehen.
Bei meiner ersten Stand up Nummer war ich so nervös, dass ich vorher Rescue -Tropfen aus der Apotheke holen musste – gebracht haben die genau nix!

Aber egal, ich hatte an diesem Abend eh nur ein Ziel: Einfach mit dem Text durchkommen und die längsten 15 Minuten meines Lebens irgendwie gefühlt auf nur 3 Stunden zu dehnen.
Keine Ahnung, ob irgendjemand gelacht hat. Zu solchen zusätzlichen Leistungen, war mein interner Prozessor damals noch nicht in der Lage. Den Videomitschnitt habe ich mir dann hinterher ohne Ton angesehen und mir fiel auf, dass meine Birne geleuchtet hat, wie eine Killertomate…meine Güte, damit hätte ich echt ein Bundesligaspiel ausleuchten können.

Beim nächsten Versuch, nur ein paar Tage später, war ich dann doch in der Lage, ein bisschen die Stimmung des Publikums aufzunehmen. War das gut? Ähm, nö!

Es gibt echt keine vergleichbare Erfahrung, als alleine vor einem Publikum zu stehen und seine Gags rauszuhauen, während absolut NIEMAND ansatzweise lacht.
Die Leute haben mich angesehen wie die Mondkälber und ich habe die ganze Zeit auf den Bühnenboden geblickt, um das Loch zu finden, in dem ich verschwinden kann.
Mindestens 10 Bier und 7 Schnäpse lang, habe ich die bösen Leute hinterher verurteilt und mir geschworen, nie wieder
so eine Bühne zu betreten.
Was lief denn da falsch? Sind die Texte unlustig? Die Antwort war klar: Nein!

Ich hatte die Texte und Ideen zusammen mit meinem lieben Freund und Sangeskollegen Johannes Betz ausgearbeitet – seines Zeichens ein mehrfach ausgezeichneter Autor und Comedypreiströger – an den Texten und Gags konnte es nicht liegen.
Die große Erleuchtung kam kurz darauf:
Es lag einfach an mir selbst! Ich war uncool und fahrig, wenig überzeugend und hatte einen starken Hang dazu, immer verstörter zu wirken, sobald es nicht lief.
Die Erkenntnis war erst mal nicht schön und musste verdaut werden, wie ein altes Stück Wurst, aber der Groschen war gefallen und ich begann, an mir zu arbeiten… Mit der Hilfe und der konstruktiven Kritik vieler lieben Menschen, wurden mir einige Unarten ausgetrieben, die mir gar nicht aufgefallen waren, aber dazu erzähle ich gerne in meinem nächsten Blog mehr… …wenn ihr wollt, und wenn ihr könnt. 😊

Euer Chris

Chris Strobler

Chris Strobler ist ein Musiker, Comedian und Booking-Agent aus dem fränkischen Bamberg.

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